Vereine im St. Wendeler Land: „Entscheidend ist der Wille“– Die HSG Marpingen-Alsweiler

Alsweiler und Marpingen – Zwei konkurrierende Ortschaften – vor allem sportlicher Hinsicht. 2011 taten sich dennoch die weiblichen Abteilungen der DJK Marpingen und des SC Alsweiler zusammen. Vorerst nur im Jugendbereich. Nach einer dreijährigen Testphase wurde gefestigt: so soll es weitergehen. Die HSG Marpingen – Alsweiler, die „Moskitos“, wurde auf die Damenmannschaften ausgeweitet und hat sich mittlerweile als Handball-Macht im Südwesten etabliert. Mittlerweile schwärmen verteilt auf insgesamt 15 Mannschaften, von den Minis bis zu den Aktiven, 250 Spielerinnen für die Moskitos aufs Feld. Darunter die 1. Damen-Mannschaft, die in der dritten Bundesliga um Punkte kämpft und die A-Juniorinnen (U19), die jüngst den Sprung in die A-Juniorinnen Bundesliga geschafft und bereits zwei Spiele absolviert haben.


​​


In der A-Juniorinnen Bundesliga wird in acht Gruppen, mit je fünf Mannschaften, um einen Einzug in die zweite Runde gespielt. Die zwei besten Teams kommen jeweils weiter.
Am 26.09. trafen sie in ihrem ersten Bundesliga-Spiel in der heimischen Halle in Marpingen auf den TSV Haunstetten aus Bayern. Die Moskitos boten den Zuschauern eine engagierte Leistung, gerieten gelegentlich in Rückstand, kämpften sich immer wieder zurück und konnten zeitweise in Führung gehen. Die Halle bebte bei jedem Tor und die Stimmung war mitreißend. Aber man merkte schnell, die Gegnerinnen wollten nicht mit leeren Händen zurück nach Bayern fahren. Am Ende der 60 Minuten stand ein leistungsgerechtes 28:28 auf der Anzeigetafel. Schade, aber der erste Punkt.

Viel Regeneration blieb dem Perspektivkader der HSG nicht. Direkt am nächsten Tag ging es nach Baden-Baden, um das nächste Spiel gegen die SG Kappelwindeck/Steinbach zu bestreiten. Auch nach diesem Spiel konnte leider kein Sieg gefeiert werden. Nachdem sie sich mit vier Toren Vorsprung absetzen konnten, kämpften sich die Gegnerinnen in der zweiten Halbzeit wieder heran. Mit dem Schlusspfiff stand es 30:30. Doch es war noch nicht vorbei. Es gab noch einen Strafwurf gegen die Moskitos. Die Schützin traf das Tor und sicherte der Heimmannschaft den Sieg.
Dennoch ein starker Auftritt mit vielen Toren, – erwähnenswert die Torquote von Michelle Reis, die den Ball insgesamt schon 27 Mal ins Tor schleuderte – der leider noch nicht belohnt wurde. Der Blick dürfte nach vorne gerichtet sein. Denn morgen, am 04.10., geht es zur TSG Friesenheim und am 10.10. ist im letzten Spiel der ersten Runde die SG BBM Bietigheim in Marpingen zu Gast.

Wir drücken unseren Moskitos die Daumen und hoffen auf den ersten Sieg und mit etwas Glück auf den Einzug in die zweite Runde!

„Das wäre ein toller Erfolg. Wir spielen mit einem Altersdurchschnitt von 16,4 Jahren. Wir sind mit Sicherheit die jüngste Mannschaft, die mitspielt. Es war schon ein großer Erfolg, dass wir so weit gekommen sind“, gaben Patrick König, Pressewart, und Manfred Wegmann, 1. Vorsitzender der Moskitos, bei einem Gespräch mit wndn in der Woche vor dem Auftakt zu bedenken.

Auch die Leistungen der Jüngeren können sich sehen lassen. In allen Altersklassen wird in der höchsten saarländischen Liga gespielt. Meist sogar höher. Das kommt nicht von Irgendwo. Da steckt hartes Training dahinter. Bis zur C-Jugend wird zweimal in der Woche trainiert, ab der B-Jugend drei- bis viermal. Und das zahlt sich aus. Letztes Jahr haben sie mit den E-, D-, C- und B-Juniorinnen gleich viermal den Saarlandpokal gewinnen können. Viele Spielerinnen spielen in der Saarauswahl. Und mit Hanna Schilke konnte sich ein Moskito für Lehrgänge der Nachwuchsmannschaft des DHBs (Deutscher Handball Bund) empfehlen.

Auf höchstem Niveau zu spielen heißt aber auch, dass man gewisse Opfer bringen muss. Unter der Woche und am Wochenende steht meist Handball auf dem Plan. Schule und Freizeit müssen neben dem Training und den Spielen und teils langen Auswärtsfahrten balanciert werden. Einige Spielerinnen besuchen das Gymnasium Am Rotenbühl in Saarbrücken. Der Sportzweig der Schule bietet eine Möglichkeit Schule und Leistungssport zu kombinieren. Sie absolvieren teilweise acht bis zehn Trainingseinheiten in der Woche. Das müssen die restlichen Spielerinnen auf dem Leistungsniveau privat nachholen.

Zum Leistungssport gehören enormer Einsatz und ein gewisser Leistungsdruck dazu. Dieser Meinung ist auch Manfred Wegmann. Wer im Training fehlt, kürzertreten möchte, müsse damit rechnen, dass die Spielzeit darunter leiden kann. Leistungssport eben. Wichtig sei, dass alles auf freiwilliger Basis geschehe. Keine Spielerin werde gezwungen die Leistungsschiene zu fahren, erklärt König.

„Entscheidend ist der Wille“, betont Wegmann auf die Frage hin, was eine Spielerin ausmacht, die die im Leistungsbereich spielen möchte. Wie bei allen Sportarten ist Talent nicht alles. Eine Spielerin mit viel Talent, wird ohne Willen und Eigenmotivation keinen Weg nach oben bahnen können. Umgekehrt wird die weniger talentierte, aber doppelt so ehrgeizige Spielerin, den Sprung auf die nächste Ebene schaffen können.
Die 1. Damen-Mannschaft zeigte sich nach ihrer ersten Saison in der 3. Bundesliga zufrieden auf dem 7. Platz. Ziel für die kommende Saison sei der Klassenerhalt und an den Erfolg der vergangenen Saison anzuknüpfen. Zwischen den Kadern der A-Juniorinnen und der Aktiven gebe es eine gute Verzahnung. Entscheidend sei aber, wer in der 3. Bundesliga spielen wolle und wer den Ehrgeiz und das nötige Talent habe. „Der Sprung von den A-Juniorinnen in die 3. Bundesliga der Aktiven ist groß, aber machbar – wenn man den absoluten Leistungswillen hat“, erklärt Wegmann.

Die Corona-Pandemie hat viele Vereine hart getroffen. So auch die HSG Alsweiler-Marpingen. Die Sporthallen waren wochenlang geschlossen. Die Spielerinnen mussten lernen damit umzugehen. Jahrelang standen sie jede Woche mindestens acht bis zehn Stunden in der Halle. Dann der Cut. Kein Training, keine Spiele. In der letzten Saison konnten bei Heimspielen der 1. Mannschaft rund 400 Zuschauer pro Spiel gezählt werden. So viele waren in der Liga sonst nirgends zu sehen. Für die kommende Saison sieht die Situation da anders aus. Maximal 120 Zuschauer dürfen nach den aktuellen Regelungen in die Halle. Und das auch nur nach vorheriger Anmeldung. Das trifft den Verein hart. Die mitreißende Stimmung ist auch so gegeben, aber es macht sich doch bemerkbar. Und auch aus wirtschaftlicher Sicht ist es eine Herausforderung. Ein Heimspiel ist aktuell ein Minusgeschäft. Schon bei 400 Zuschauern war es grenzwertig. Dazu kommen Auswärtsfahrten. Der Aufwand ist groß und die finanzielle Belastung größer. Die HSG hat keinen einen Hauptsponsor, sondern viele kleine. „Optimal wäre, wenn sich der ein oder anderen Sponsor anschließen würde“, äußert sich der 1. Vorsitzende.

Die Moskitos freuen sich über jede Unterstützung und hoffen, neue Zuschauer und Jungmoskitos begrüßen zu dürfen. Die 1. Mannschaft startet am 17.10. um 18 Uhr in Marpingen gegen Köln in ihre zweite Saison der 3. Bundesliga. Anmeldungen auf der Homepage, weitere Infos auf Facebook und Instagram.

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on linkedin
Share on telegram

ANZEIGEN