Bis 7. September steht in Tholey ein Bauwagen als „Ort des Zuhörens“ für Gespräche offen

Tholey: Ein Ort, sich alles von der Seele zu reden

Tholey – Wer aktuell den Schaumberg in Tholey besucht, kann ihn nicht
übersehen: Direkt am Parkplatz unterhalb des Wanderwegs „Herzweg“ hat der
Bauwagen seinen Standplatz gefunden. „Ort des Zuhörens“ steht auf dem
farbenfrohen Banner, das an der Außenseite angebracht ist. Vor dem Wagen sitzen
an einem Vormittag unter der Woche Ute Morbach und Carola Fleck in zwei
bequemen Lehnstühlen, vor sich ein mit Blumenvase geschmückter Tisch. Hier
kommen täglich viele Spaziergänger und Sportler, Einheimische wie Touristen,
vorbei.

Da dauert es nicht lange und sie haben Gesellschaft. „Ich wollte mal fragen, was Sie
hier machen“, kommt ein Mann auf sie zu. „Unsere Aufgabe ist es zuzuhören.
Jedem, der kommt und der etwas erzählen möchte, egal, was es ist, hören wir zu“,
sagt Pastoralreferentin Fleck und erklärt, dass es sich bei dem „Ort des Zuhörens“
um ein ökumenisches Projekt handelt, das die Pfarreiengemeinschaft Am
Schaumberg, das Dekanat St. Wendel und die Evangelische
Gesamtkirchengemeinde St. Wendel den Sommer über anbieten. Unterstützt werden
sie von der Gemeinde Tholey.

„Jemanden zu finden, der einfach zuhört – das ist in unserer Zeit oft nicht leicht“,
nennt Fleck die Idee hinter dem Projekt, das 2019 das erste Mal stattfand. „Es
handelt sich um ein niedrigschwelliges Angebot für Leute, die einfach mal etwas
loswerden wollen, einsam sind und etwas rauslassen müssen“, sagt Fleck. Ganz im
Sinne der Bistumssynode wollen sie eine diakonische Kirche sein: „Die Kirche
bewegt sich via Bauwagen dorthin, wo die Menschen sind“, so die
Pastoralreferentin. In diesem Jahr seien die Corona-Pandemie und ihre Folgen ein
häufiges Gesprächsthema. „Viele Menschen haben viel zu bewältigen und haben
nicht viele zum Reden. Auch Corona ist bei vielen noch nicht bewältigt, das kommt
dann beim Spazierengehen abseits der Hektik des Alltags in ihnen hoch“, sagt
Fleck. Da seien sie um das Gesprächsangebot am Parkplatz dankbar.

Die Gespräche sind vertraulich, der Bauwagen soll ein Ort sein, der guttut und für
alles und alle offen sein. Hier kann ausgesprochen werden, was bewegt, erfreut,
ärgert oder zur Frage geworden ist. Fleck weiß von einer Frau, die 2019 im
Bauwagen erstmals ihre Angst überwunden hat und den Ehrenamtlichen erzählt hat,
dass sie häuslicher Gewalt ausgesetzt sei. „Wir sind nicht die Station, die
professionelle Therapie anbietet“, streicht Fleck die Grenzen des Angebots hervor.
Im Bauwagen liegen daher auch Flyer von Hilfsorganisationen bereit. „Die
Hoffnung ist, dass Betroffene sich trauen, Hilfe zu suchen, wenn sie schon einmal
den Mut hatten, ihr Herz auszuschütten.“

24 Ehrenamtliche und vier Hauptamtliche teilen sich die Tage über den Sommer
auf. „Es ist auch ein herausforderndes Ehrenamt. Zuhören zu können ist gar nicht so
einfach“, sagt Fleck.

Info: Noch bis 7. September gibt es den „Ort des Zuhörens“ auf dem Herzweg-
Parkplatz. Mittwochs bis sonntags, jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr

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