Große Erleichterung

Stadtrat stimmt einstimmig für die St. Annenschule als neuen Grundschulstandort

In einer Präsenzsitzung entschied sich der Stadtrat St. Wendel am Donnerstag, nach einem langjährigen Findungsprozess, für einen neuen Standort der Nikolaus-Obertreis-Schule in der ehemaligen St. Annenschule in Alsfassen. 

Die Luft in der Sporthalle in St. Wendel war zum Schneiden. Irgendwo zwischen Angst und Verzweiflung unterhielten sich die Stadtratsmitglieder von SPD, Grünen, Linken und FDP vor Beginn der Sitzung am Donnerstag ganz leise mit ihren Kollegen. Klar war, die Standortfrage der Nikolaus-Obertreis-Grundschule hängt davon ab, wie die CDU abstimmen wird. Als Mehrheitsfraktion kann sie ihren Willen gegen die Stimmen der anderen Parteien durchsetzen. 

Zu Beginn der Sitzung erläuterte Bürgermeister Peter Klär noch einmal die Schritte bis hin zum Tag der Entscheidung. Im März 2019 hatte man im Rahmen des sogenannten Bildungsstättenkonzepts damit begonnen, sich intensiv Gedanken über einen neuen Standort für die Nikolaus-Obertreis-Schule zu machen. Im selben Monat beauftragte der Stadtrat die Landesentwicklungsgesellschaft Saar (LEG Saar) mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie. In diesem Gutachten wurden die vier Alternativen eines Neubau, der Sanierung des aktuellen Standortes, dem Gebäude des ehemaligen Arnold-Janssen-Gymnasiums, sowie die ehemalige St. Annenschule geprüft. Die Ergebnisse lagen am 30.6.2020 vor. Danach wurden sie intensiv von den einzelnen Parteien geprüft, abgewägt und in unterschiedlichen Ausschüssen beraten. Nun stand am 11. März 2021 die Entscheidung bevor.

Und wie Bürgermeister Peter Klär es ganz sportlich bezeichnete, war das „Teilnehmerfeld [der Standorte] dicht gedrängt“. 



Von Seiten der Verwaltung kam zwar kein Vorschlag, da man eine Entscheidung des Rates wollte, aber der Bürgermeister positionierte sich stark für den Standort im Missionshaus. In seiner Positionierung vor Beginn der Diskussion brachte er fast philosophisch zu den Gegenargumenten des Standorts passenden Pro-Argumente. „Ist die Natur als Lernort ein Vorteil oder ein Nachteil? Ist die freie Verfügbarkeit von Raum und Fläche ein Vor- oder Nachteil? Ist die Aussicht für eine wirklich große Schule eine Herausforderung oder eine Last? Ist es für 73 Schülerinnen und Schüler ein Gewinn an Freiheit oder eher ein Problem der Beaufsichtigung? Alt ODER neu, oder vielleicht Alt UND neu?“ 

Er hätte sich eine Schule im Grünen gewünscht, eine naturnahe Schule. Einen solchen Lernort, in „Ruhe, Natur, Abenteuerlust, Experimentierfreude und auch Nachhaltigkeit“ sah er auf dem „heiligen Berg“. „Vielleicht ist es auch nur Vision die weit in der Ferne liegt: das Bild von Kindern, die in der Klimaschutzschule St. Wendel, mit Blick über die ganze Stadt, in Mitten blühender Wiesen, Obstbäumen, Weideflächen aufgewachsen sind, hier gebildet worden sind, um sich für die Zukunft aufzustellen, wenn es um die Rettung unserer gemeinsamen Zukunft geht, nämlich unseres gemeinsamen Planeten. Das war meine Vision, davon habe ich mich leiten lassen.“ 

Nach dem Plädoyer des Bürgermeisters übernahm Peter Schunath, Fraktionsvorsitzender der CDU das Wort. Und die Anspannung der Stadtratsmitglieder stieg erneut merklich. Immerhin hatte die CDU im Vorfeld bereits mehrfach betont, dass das Missionshaus für sie eine Möglichkeit darstellen würde. Demnach blieb zu befürchten, dass sie „gegen alle, auch internen, Widerstände [das Missionshaus] durchbringen will“, wie es im Vorfeld von Seiten der Grünen veröffentlicht wurde. 

Doch zunächst erläuterte Peter Schunath, warum man eine Sanierung und auch einen Neubau ausschloss. Eine Sanierung hätte bedeutet, dass „eine ganze Schülergeneration unter den Bedingungen einer Baustelle lernen müsste“. Ein Neubau schied aus, da das Areal auf dem Bosenbachstadion wichtig für große Veranstaltungen sei und diese demnach hätten wegfallen müssen, was man von Seiten der CDU nicht riskieren wollte. Soweit war die Entscheidung der CDU den Mitgliedern des Rates bereits bekannt. 

Nach 7,5 Minuten zeichnete sich dann jedoch ab, dass man von Seiten der CDU auch für die St. Annenschule stimmen würde. Nachdem Peter Schunath dann nach 9 Minuten und 40 Sekunden sagte, dass man sich für das „Areal in Alsfassen entschieden hat“, konnte man fast die zentnerschweren Steine, die auf den Herzen der Stadtratsmitglieder lagen, fallen hören. 

Während die SPD zwar immer noch lieber einen Neubau gehabt hätte, da man „Schulen heute anders baut, als man das früher noch tat“, wie es Marc-André Müller formulierte, konnte man aber auch dem Kompromiss guten Gewissens zustimmen. Für Tilmann Schön von den Grünen hatte die Entscheidung der CDU ein ganz praktisches Problem, er konnte die Hälfte seiner vorbereiteten Rede nicht halten, da die CDU, wie sein Parteikollege Sören Bund-Becker betonte „ihren Vorschlag annahm“. Und auch alle anderen Parteien entschieden sich begeistert für den Standort in der ehemaligen St. Annenschule als guten Kompromiss. 

Doch auch wenn sich alle freuten, dass die Standortfrage einen so guten Ausgang im Rat nahm, wurden einige Vorwürfe gegen die CDU weiter geschürt. So hatte man in den vergangenen Wochen mehrfach über Möglichkeiten diskutiert, Positionen vertreten und Argumente ausgetauscht, doch immer ohne Beteiligung der CDU. Die CDU-Fraktion hatte intern erst am Samstag vor der Stadtratssitzung eine Entscheidung getroffen und diese auch nur intern besprochen. Parteipolitisch zwar war diese Herangehensweise völlig in Ordnung, jedoch wurde es von den Stadtratsmitgliedern trotzdem anders erhofft. Man hätte sich gewünscht im Vorhinein gemeinsamer über die Argumente zu sprechen, statt dass man die Ergebnisse erst in der Stadtratssitzung vorgelegt bekam. Für den FDP-ler Stefan Rieth jedoch zählte „Ende gut, alles gut“ und er habe der CDU nach diesem Ergebnis alle Fehler im Vorhinein verziehen. Demnach freut sich auch Peter Klär, dass zum Schluss der Abstimmung, die zwar nicht seine Version hervorbrachte, dann doch noch die Absolution vom „heiligen Berg“ kam. 

Am Ende freuten sich alle, dass der Tag ist ein guter Tag für die vielen zukünftigen Grundschülerinnen und Grundschüler in der Stadt wurde, denn eine gute Bildung hat für alle oberste Priorität.

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