St. Wendel: 28. Wirtschaftstag mit Wolfgang Bosbach war ein voller Erfolg

Foto: Facebook Landkreis St. Wendel

St. Wendel. Im Jahr ihres 160 jährigen Jubiläums hat die Kreissparkasse St. Wendel gemeinsam mit dem Landkreis zu einem ganz besonderen Wirtschaftstag geladen. Neben dem neuen Format der Veranstaltungsreihe, sorgte vor allem der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach für einen überaus unterhaltsamen Abend

Rund 700 Gäste waren der Einladung zum 28. St. Wendeler Wirtschaftstag zum Thema „Deutschland in Zeiten von Globalisierung und Nationalismus – worauf es jetzt ankommt“ gefolgt. In Anbetracht des gut gefüllten Saalbaus zeigte sich der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse St. Wendel Dirk Hoffmann bei seiner Begrüßungsrede überaus begeistert: „Von Politikverdrossenheit kann hier keine Rede sein.“

Nach einem interessanten Interview mit dem Landrat Udo Recktenwald zur Lage des Landkreises in diesem Kontext leitete die Moderatorin Verena Sierrra zügig auf den mit Spannung erwarteten Vortrag von Herrn Bosbach über. Dass dieser trotz 3000 Anfragen als Redner pro Jahr der Einladung der Kreissparkasse St. Wendel gefolgt ist, liegt wohl an seiner eingangs geschilderten Verbundenheit zur Sparkasse, denn sowohl seine Frau als auch seine jüngste Tochter seien beide bei der Kreissparkasse in Köln beschäftigt“.

Bereits kurz nach Beginn des Vortrages wird klar, was den 66-Jahre alten Rechtsanwalt aus Bergisch Gladbach in Umfragen und als Talkshow-Gast so populär machte: Er versteht es, sein Publikum zu unterhalten. Sein Vortrag ist über weite Strecken lustig, gespickt mit Witzen und Anekdoten. „Fröhlichkeit ist ja nicht unsere Kernkompetenz in Deutschland“, scherzt der Rheinländer. „Wenn wir Licht am Ende des Tunnels sehen, verlängern wir den Tunnel.“ 

Die Bürger sollten vielmehr stolz sein auf ihr Land, das nach dem Krieg so schnell wieder aufgebaut worden sei. In den vergangenen knapp 70 Jahren, seit es die Bundesrepublik schon gebe, habe es 63 Jahre mit wirtschaftlichem Aufschwung gegeben und nur wenige Jahre seien von Rezession gekennzeichnet gewesen. Auch was nach der Wiedervereinigung in Deutschland geleistet worden sei, sei herausragend. 

In Sachen Patriotismus dürfe man sich an dieser Stelle durchaus eine Scheibe von anderen Nationen abschneiden, deren Nationalfeiertage wahre Freudenfeste seien, wohingegen in Deutschland dieser Tag mit ernsten Reden und Querflöte begangen werde.

Noch stehe Deutschland im europäischen Vergleich stabil da, doch der Aufstieg der Populisten sei eine Herausforderung. Deutschland habe in der Vergangenheit davon profitiert, dass es „zwei starke Volksparteien“ gab. Auch er als Konservativer habe keine Freude daran, wenn die SPD bei 15 Prozent liege, gibt er zu.

Für Bosbach stehen 2019 zwei wichtige Entscheidungen an. Die eine ist der Austritt der Briten aus der EU, der für Bosbach ein fatales Signal ist. Diese wollten die EU-Vorteile nach einem Brexit behalten, aber keine Nachteile erleiden. So gehe das aber nicht. „Das sollte man denen vielleicht mal sagen!“, wettert Bosbach und der Saal applaudiert laut. Es sei ein Irrglaube, in der Welt als einzelnes Land eine Rolle spielen zu können. Wenn die EU zerfalle, werde Europa marginalisiert. Aus diesem Grund verwies Bosbach auf die Europawahl am 24. Mai. 

Deutschland schrieb Bosbach grundsätzlich gute Zukunftsaussichten ins Stammbuch. Das Land verfüge über eine ausgezeichnete junge Generation. „Aber wir müssen uns verändern“, sagte er und erinnerte an große Namen der Unterhaltungselektronik, die ganz oder größtenteils verschwunden sind. Grundig, Telefunken oder Kodak. Der Filmhersteller habe nicht in Digitaltechnik investieren wollen, um seinen eigenen Markt zu erhalten. Das Ergebnis: Kodak ist weg. „Die anderen“, sagte Bosbach, „sind nicht besser als wir, aber sie sind schneller.“ Deutschland, so seine Botschaft, dürfe keinesfalls den Anschluss verlieren. Vor allem auf die Bildung komme es an, denn: „Wer nichts im Boden hat, muss etwas in der Birne haben.“

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