Schluss mit der Corona-Tristesse! – Kommentar

Image of poster with text Stay home on the table in the room

Gestern war der erste Tag im neuen Lockdown — und er ist geschafft. Am 2. November begannen für ganz Deutschland erneut scharfe Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die auf uns zurollende Corona-Welle musste gebrochen werden und die einzige Lösung war ein erneuter, sogenannter Lockdown. Wobei: Ein richtiger „Lockdown“ ist es nicht, was Angela Merkel da mit den Regierungschefs der Länder beschlossen hat. Schließlich darf jeder seine Wohnung zu jeder Zeit verlassen. Und trotzdem wurde das Leben wieder stark eingeschränkt. Keine Besuche von Freunden, ein Verbot von gemütlichen Abendessen im Restaurant, kein Beautyday im Nagelstudio, Ausgleich im Fitnessstudio?- sorry closed…

Aber: Wir haben es schonmal geschafft. Und nach dem Frühjahr fanden viele, dass man wieder mehr zusammengerückt ist und uns der Lockdown weiter brachte. Uns sozialer machte, das Miteinander schürte wie ein wärmendes Feuer. Die Gesellschaft ist daran gewachsen: Ganz selbstverständlich kauften manche Menschen für andere, die zu Risikogruppen gehörten, mit ein, andere stellten sich auf ihre Balkone und applaudierten für Krankenpfleger und #stayathome wurde zum Motivations-Boost für alle Selfmade-Beginner. Dabei war #stayathome so viel mehr als ein Hashtag, es war der Ausdruck der solidarischen Gemeinschaft. Wir waren zwar zu Hause, aber: Wir haben das Beste daraus gemacht.

Und jetzt? Jetzt ist November. Grau, traurig, Regen. Auch ganz ohne Corona ist dieser Monat trostlos. Bevor es mit der Vorweihnachtszeit endlich losgeht, schießt er uns Jahr für Jahr in ein Loch, aus dem man nur mühsam mit einer Mischung aus Weihnachtsplätzchen, Punsch und Adventskränzen wieder herauskommt. Und inmitten dieser ohnehin schon irgendwie beschissenen Zeit, wird das öffentliche Leben erneut runtergefahren. 



Und plötzlich ist gar keine Rede mehr von einer zusammenwachsenden Gesellschaft. Im Gegenteil: Was vorher zusammenwuchs, das driftet jetzt auseinander. Die Anspannung der Menschen ist zu spüren und der Ton wird rauer: Hasskommentare verbreiten sich so schnell wie die Pandemie selbst, die Akzeptanz für die Maßnahmen der Bundesregierung sinkt und geklatscht wird nicht mehr für die Krankenpfleger — sondern nur noch zur Bestätigung der eigenen Ansicht. 

Wo einem im Frühjahr in den sozialen Netzwerken noch halbierte Bananen auf selbstgebackenen Broten entgegenlächelten, kommt man jetzt kaum mehr um „es nervt“-Posts rum. Von zusammengewachsener Gesellschaft ist nichts mehr zu spüren. Selbstverständlich hat sich im Sommer jeder irgendwie über die neue Freiheit nach dem ersten Lockdown gefreut. Und selbstverständlich ist es daher, völlig normal, dass die erneute Einschränkung jetzt aufs Gemüt schlägt. Da kann man schon mal grantig werden. Aber wo sind die Facetime-Abend mit viel Wein und guten Freunden hin? Haben alle das nette Lächeln der Nachbarin, für die man einkaufen war, schon wieder vergessen? 

Das darf nicht sein! Vergessen wir als Gesellschaft nicht, wie stark wir waren — und wie gut uns der Zusammenhalt tun kann. Unsere Solidarität im Frühjahr kann als Vorbild für den November dienen. Wenn es draußen ungemütlich wird, kann trotzdem Wärme in der Gesellschaft sein. Schluss mit der Corona-Tristesse!

Also warum nicht mal bei Oma anklingeln ob sie noch Butter braucht, wenn man sowieso einkaufen geht? Warum nicht zu St. Martin Laternen an die Fenster stellen und damit wieder Gemeinschaft signalisieren. Warum nicht das leckere Essen des Lieblingsrestaurant bestellen und die „Locals supporten“ ? Es gibt so viele Möglichkeiten, wie #zusammen wieder zur Realität wird. Und vielleicht kann der November zuhause mit ein bisschen mehr Liebe ja doch noch schön werden. Ein Versuch ist es wert, oder nicht? 


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