Für den Notfall geschult

Pioniere in Sachen Wiederbelebungsunterricht: Aktionstag an der GemS Freisen

Foto: Michaela Loch

„Leben retten kann so einfach sein!“ – unter diesem Motto stand die Woche der Wiederbelebung 2021 vom 20. bis 26. September, an der sich auch die Gemeinschaftsschule Freisen mit einem Aktionstag für die Klassenstufen 5 und 6 beteiligte. Zur Unterstützung holte sich die Schule, die bereits 2012 einen inzwischen fest etablierten Schulsanitätsdienst gründete, die Rettungsdienstschule Saar ins Boot. Gemeinsam mit deren Schulleiter Mike Höll und der Jugendleiterin des DRK-Ortsvereins Oberkirchen Silvia Schnur führte Lehrerin Michaela Loch die Schülerinnen und Schüler fast spielerisch und mit viel Spaß an das ernste Thema heran. Zunächst wurden die Fünft- und Sechstklässler aufgeklärt, was zu tun ist, wenn man eine leblose Person vorfindet: Nämlich ansprechen, die Atmung kontrollieren, um Hilfe rufen, den Notruf absetzen und schließlich mit der Herz-Druck-Massage beginnen. Ganz anschaulich mit Hilfe von Übungspuppen und mit einem sogenannten Reanimationssong wurde den Schülern dann der richtige Takt für die Wiederbelebung vermittelt. „Diese kurze Aktion ersetzt natürlich nicht eine ausführliche Reanimationsschulung. Sie ist lediglich ein Anfang.“, ist sich Michaela Loch, die auch Ausbilderin beim Deutschen Roten Kreuz ist, bewusst. An der Gemeinschaftsschule Freisen wird dieser Weg aber konsequent fortgesetzt, denn seit 2019 ist der Wiederbelebungsunterricht auch fester Bestandteil der Stundentafel. „Ab dem 7. Schuljahr erhalten Schülerinnen und Schüler pro Halbjahr eine Doppelstunde Reanimationsunterricht“, erläutert Michaela Loch, „der in der 8. und 9. Klasse weitergeführt wird“. Dabei nimmt die Gemeinschaftsschule Freisen im Saarland und wohl sogar in Deutschland eine Pionierrolle ein, denn es gibt bislang nur wenige Schulen, die den Reanimationsunterricht fest in den Stundenplan eingebaut haben. Die Forderung des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC) ist daher eine Verpflichtung aller Schulen, dies verbindlich zu tun. Sie verfolgt damit das Ziel die Laienreanimationsquote von derzeit 40% in Deutschland weiter zu steigern. Diese Forderung betont auch Mike Höll: „Schön wäre es, wenn die Politik uns hier unterstützen und den Wiederbelebungsunterricht nicht nur empfehlen, sondern verpflichtend implementieren würde. Bis dato hängt es leider immer an einzelnen Personen, sei es die Schulleitung oder eine engagierte Lehrkraft, ob es zur Umsetzung kommt“. In den skandinavischen Ländern zum Beispiel, wo es eine solche Verpflichtung gebe, habe man eine beinahe doppelt so hohe Laienreanimationsquote.

Auch der Schulleiter der GemS Freisen Marc André Müller sieht die Politik in der Mitverantwortung: „Die Forderung nach verpflichtendem Wiederbelebungsunterricht kann ich gut nachvollziehen, die Politik muss dann aber auch personelle Ressourcen dafür bereitstellen. Junge Menschen in der Wiederbelebung anzuleiten bedarf einer besonderen Ausbildung, die deutlich über das hinausgeht, was man im gewöhnlichen Erste-Hilfe-Kurs lernt“. Daher schätzten Schulleitung und Kollegium in Freisen sich sehr glücklich, mit Michaela Loch eine auf diesem Gebiet sehr kompetente und engagierte Kollegin zu haben. Die Entlastungsstunden, die sie dafür bekommt, zahlen sich wiederum für die gesamte Schule aus. Schon der von ihr regelmäßig geschulte und organisierte Schulsanitätsdienst, der am Aktionstag ebenfalls mit 12 Mitgliedern phasenweise eingebunden war, erleichtere den schulischen Alltag sehr, indem er sich in den großen Pausen oder bei Schulveranstaltungen um die kleineren Wehwehchen der Mitschüler kümmert. Lena Schultheiß, Antonia Alles und Oliver Junk aus der Klassenstufe 7 unterstützten den Aktionstag sogar ganztägig und waren merklich mit viel Begeisterung bei der Sache. „Ich glaube, der Aktionstag hat den Fünft- und Sechstklässlern schon etwas gebracht, denn alle wissen jetzt, was man im Notfall tun muss und dass man keine Angst haben braucht, etwas falsch zu machen.“, fasst Oliver Junk seine Eindrücke zusammen. „Genau darum geht es“, bestätigt Mike Höll von der Rettungsdienstschule, „denn das einzige was man falsch machen kann, ist nichts zu machen!“. Aufgrund der positiven Erfahrungen möchten beide Schulen Ihre Kooperation in Zukunft weiter ausbauen.

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