„Our Common Future“ im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Unter dem Motto „Our Common future“, auf Deutsch „Unsere gemeinsame Zukunft“, startete im Schuljahr 2018/19 ein gemeinsames Projekt zwischen dem Nationalpark, dem Umwelt-Campus Birkenfeld und dem Cusanus-Gymnasium
Ziel ist es, mehr Schüler und Schülerinnen für naturwissenschaftliche Fächer und Studiengänge zu motivieren. In den nächsten zwei Jahren wird der Nationalpark Hunsrück-Hochwald durch die Schüler und Schülerinnen erforscht. An unterschiedlichen Punkten werden Wasser- und Bodenproben entnommen, um sie im Labor des Umwelt-Campus auszuwerten.  

Anstelle von Unterricht tauschten die Oberstufenschüler und -Schülerinnen mit Beginn ihres Seminarfaches für einen Tag Stifte und Blöcke gegen Kescher und Siebe und machten einen Ausflug in den Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Nicht Mathe, Deutsch oder Geschichte standen auf dem Stundenplan, sondern eine Freilandexkursion zum Themengebiet Wasser. Was einen Nationalpark so besonders macht, lernten die Schüler und Schülerinnen bereits vorab in der Schule, so dass es nach einer kurzen Einführung schnell ans praktische Arbeiten ging. In vier Gruppen wurden die vorkommenden Schmetterlinge und Vögel bestimmt, die Gewässergüte analysiert sowie die Fauna des Baches untersucht. Um relevante Aussagen treffen zu können, wurden zwei Abschnitte untersucht, ein naturbelassener Bereich mit hohem Mischwaldanteil und eine Waldumbaufläche, auf der gerade ein Moor renaturiert wird. Ich Frühjahr 2019 werden Analysen zum Klimaschutzbeitrag und Kohlenstoffhaushalt im Nationalpark folgen.

 

 

 

Prof. Susanne Hartard vom Umwelt-Campus hat das Projekt initiiert. „Ich schätze das interdisziplinäre Arbeiten und die Zusammenarbeit mit den Schülern, Lehrern und Kollegen. Mit dem Cusanus-Gymnasium haben wir seit einigen Jahren eine erfolgreiche Kooperation.“ Zwei Kollegen des Umwelt-Campus Birkenfeld unterstützen das Projekt, dafür bin ich sehr dankbar – Prof. Stefan Stoll betreut die Forschungsarbeiten in der Gewässerökologie und Prof. Stefan Naumann – Institut für Softwaresysteme – wird mit den Schülern die digitale Datenerfassung durch App-Anwendungen erproben.

Das Projekt „Biodiversitätswandel und Klimaschutz in Entwicklungsbereichen des Nationalparks Hunsrück-Hochwald“ wird im Rahmen des Programms „Our Common Future“ über zwei Jahre von der Robert Bosch Stiftung gefördert. Mit dem Förderprogramm „Our Common Future – Schüler, Lehrer, Wissenschaftler forschen für die Welt von morgen“ unterstützt die Robert Bosch Stiftung mit insgesamt über 1,4 Millionen Euro gemeinsame Forschungsprojekte von Lehrkräften und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zum Themenfeld Nachhaltigkeit.

Sebastian Schacht aus dem Bereich Umweltbildung im Nationalparkamt beteiligt sich gerne an dem Projekt: „Die Nationalparkverwaltung unterstützt das Projekt sehr gerne. Es ist uns ein großes Anliegen, die beiden wichtigen Bereiche Forschung und Umweltbildung im Nationalpark miteinander zu verbinden. Vielleicht kommt der ein oder andere im Studium wieder auf uns zu und möchte seine Abschlussarbeit bei uns schreiben.“ Auf einem Arbeitssteg mitten im Moor gab Ranger Roland Schmidt einen Einblick in die Arbeiten der Renaturierung und erzählte unter anderem, warum man im Hunsrück keine Moorleichen finden wird. Er erläuterte, welche Pflanzen aktiv auf die Jagd gehen und wie sich Torfmoos gegen Konkurrenten durchsetzt. Am Cusanus-Gymnasium wird das Projekt im Rahmen des Seminarfachs in den Schuljahren 2018/19 und 2019/20 durch die Lehrkräfte Ina Haupenthal und Thorsten Kunz betreut. Beide Lehrkräfte sehen die Zusammenarbeit mit Nationalpark und Umwelt-Campus als besondere Lernchance an: „Im Seminarfach sollen die Schülerinnen und Schüler Einblicke in das wissenschaftliche Arbeiten erlangen. Hier ergeben sich durch die Kooperation mit den beiden Institutionen vielfältige Möglichkeiten, die wir im rein schulischen Kontext nicht bieten könnten.“

 

Überrascht waren die Schüler und Schülerinnen von den ersten Erkenntnissen der Auswertung ihrer Proben am Umwelt-Campus. Ihre Untersuchungen erfolgten im Biologielabor von Prof. Stefan Stoll und seinem Mitarbeiterteam. Die am ersten Exkursionstag genommenen Sedimentproben wurden auf ihre Zusammensetzung hin untersucht und die im Gewässer lebenden Kleinstlebewesen mithilfe von Binokularen bestimmt. Die Analysen ergaben wertvolle Erkenntnisse zu der Vielfalt der Arten in den untersuchten Bächen. Diese Ergebnisse interpretieren die Schüler und Schülerinnen in ihren jeweiligen wissenschaftlichem Arbeiten bis Ende des Jahres. Um wissenschaftliche Belege anführen zu können, erhielten die Schüler/innen gleich noch einen elektronischen Zugang in die Bibliothek, die sie bis zum Abitur kostenfrei nutzen können und der durch die Robert-Bosch-Stiftung unterstützt wurde. Dr. Stefan Bagusche führte in die Methodik des Recherchierens und der Literatursuche ein. Aufenthalte am Umwelt-Campus sind während des Projektes regelmäßig vorgesehen.

Wissenschaftlich arbeiten, gängige Methoden aus der Forschung anwenden und diese richtig zu dokumentieren, steht im Vordergrund. Die Schülerinnen und Schüler werden in den beiden Projektjahren unter anderem verschiedene Mess- und Bestimmungsmethoden kennenlernen und authentische Einblicke in die Laborarbeit bekommen. Gleichzeitig werden sie auch lernen, wie sie ihre Ergebnisse durch eine wissenschaftliche Arbeit, Podcasts, Videos oder Präsentationen dokumentieren können. Dazu diente bereits ein erstes Podcast der Schüler zur Sendung im Nationalparkradio am 5. Oktober, in der das Kooperationsprojekt „Our Common Future“ durch Prof. Susanne Hartard und Sebastian Schacht als Studiogast ausführlich vorgestellt wurde.

Dr. Martin Wagner, der Schulleiter des Cusanus-Gymnasiums, ist überzeugt, dass dieses Projekt der Kooperation mit dem Umwelt-Campus Birkenfeld und dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald für die Schülerinnen und Schüler ein Glücksfall ist, da sich hier neben der Möglichkeit der Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit sich ihnen auch die Chance zum Einblick in Studiengänge und damit zur Berufsorientierung bietet.

Foto: Ina Haupenthal

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