Kolumne von Julian Schneider

New Work – alter Wein in neuen Schläuchen?

Symbolbild

Die Arbeitswelt befindet sich seit Jahren in einem Veränderungsprozess. Wahrscheinlich hat sie das schon immer getan. Im Unterschied zu früheren Veränderungsprozessen ist es nunmehr das Tempo, über das die Wirtschaft diskutiert. Tiefgreifende Trends wie die Digitalisierung, Internationalisierung, Globalisierung und Flexibilisierung prägen die Unternehmensstrukturen und -abläufe, weshalb auch von der sogenannten VUKA-Welt gesprochen wird. VUKA steht als Akronym für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (Mehrdeutigkeit). Als ein Lösungsansatz für die VUKA-Welt hat sich das New Work Konzept hervorgetan. Der Grundgedanke hinter New Work geht auf den Philosophen und Managementdenker Frithjof Bergmann zurück, der in den siebziger Jahren das Konzept entwickelte.

Kolumnist: Julian Schneider, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land mbH
Kolumnist: Julian Schneider, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land mbH

Bei New Work stehen Selbstbestimmung, Dezentralisierung und Flexibilisierung im Fokus des Arbeitslebens. Beispiele des New Work Ansatzes sind die Diskussionen rund um neue Ablaufstrukturen wie die Vier-Tage-Woche oder der Sechs-Stunden-Tag. Mit Workation – als weiteres Beispiel – werden Arbeit und Urlaub miteinander verknüpft. Die Mitarbeitenden arbeiten von einem individuell gewählten Urlaubsort heraus und nutzen den Feierabend als Urlaubszeit. Ein beliebtes Ziel ist übrigens Südafrika, was an der einstündigen Zeitverschiebung zu Deutschland liegt. Das ortsunabhängige Arbeiten, sprich auch das Home Office, zählt genauso zum New Work-Konzept. New Work heißt auch, agiler zu arbeiten (mehr zum agilen Arbeiten: https://www.wndn.de/wfg-wirtschaftskolumne-agilitaet-viel-mehr-als-nur-ein-modewort/). New Work fordert von Unternehmen genauso technologische Neuerungen und eine Anpassung der IT-Infrastruktur. Es bedarf neuer Kollaborations- und Kommunikationswerkzeuge in den Organisationsprozessen, um die Wege des Zusammenarbeitens zu verkürzen.

Die Liste der New Work-Instrumente lässt sich um einiges erweitern. Doch die entscheidende Frage bleibt, ob sich hinter New Work wieder nur wieder ein neuer Hype oder ein tiefgreifender Trend verbirgt? Diese Frage lässt sich ganz einfach mit der Antwort eines tiefgreifenden Trends beantworten. Einige Instrumente des New Work haben zu viel bewirkt, also dass es sich nur um einen schnell verschwindenden Hype handeln könnte. Doch zur Wahrheit gehört auch dazu, dass es New Work oder neue Arbeitsformen schon immer gegeben hat: Mit jeder technologischen Neuerung sind neue Arbeitsinstrumente und Arbeitsweisen entstanden. Bei der ersten industriellen Revolution hat der Einsatz von Maschinen, z. B. Dampfmaschine, die Arbeit transformiert. In der zweiten industriellen Revolution führten die Elektrizität und Fließbandarbeit zu enormen Veränderungen im Arbeitsprozess. In der dritten industriellen Revolution war es die Automatisierung infolge der zunehmenden Applikation von Computern. Auch jetzt im Zeitalter der künstlichen Intelligenz und dem Internet der Dinge wird es neue Arbeitsformen geben. Um die Frage in der Überschrift also beantworten zu wollen: New Work ist demnach nicht der alte Wein in neuen Schläuchen, sondern eher neuer Wein in alten Schläuchen.

Julian Schneider ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) St. Wendeler Land.

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