Menschen im St. Wendeler Land – Zehn Fragen an … Jonas Wengel

jonas wegel in schweden
Jonas Wegel aus Urweiler ist ehrenamtlich aktiv

In unserer Reihe „10 Fragen an…“ stellen wir euch interessante Persönlichkeiten aus dem St. Wendeler Land vor. Heute beantwortet uns Jonas Wengel aus Urweiler unsere Fragen. Er ist 21 Jahre alt und ein überzeugter und engagierter Ehrenamtler. Er studiert Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlandes und befindet sich aktuell im Auslandssemester im hohen Norden in Luleå, Schweden.  In seiner Freizeit treibt er gerne Sport: Joggen, Squash, Rudern, … Außerdem reist und kocht er  unglaublich gerne und spielt regelmäßig Doppelkopf.

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben aus?

Ein typischer Tag während des Studiums beginnt nach dem Frühstück jeden Tag mit Vorlesungen/Übungen oder anderen Lerneinheiten für die Uni. Da ich zusätzlich als Werkstudent arbeite, sind die Wochentage eigentlich immer mit Uni und Arbeit bis in den Nachmittag gefüllt. Abends nehme ich mir dann Zeit für Rotaract, um mich mit Freunden zu treffen, zu kochen und/oder Sport zu treiben. An Wochenenden unternehme ich, wenn es die Zeit zulässt, gerne Ausflüge.

Du engagierst dich stark ehrenamtlich, bist unter anderem Past Präsident des Rotaract Clubs St. Wendel. Erzähl uns mehr von Rotaract, den Projekten und deinen Aufgaben als Präsident dort.

Bei Rotaract treffen sich junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren, die das gemeinsame Motto „Lernen – Helfen – Feiern“ verbindet. In Deutschland gibt es mehr als 3.700 Mitglieder in über 190 Rotaract Clubs, die sich zusammen für Andere einsetzen und durch Freundschaft, Fairness und Toleranz zur internationalen Verständigung beitragen. Einen solchen Rotaract Club haben wir auch in St. Wendel.

Dort bin ich seit 2019 Mitglied und war 2021/22 Präsident des Clubs. Wir als Club haben jährlich wiederkehrende Sozialaktionen: Die Kauf-1-mehr-Aktion führen wir mindestens 1-mal im Jahr am Globus durch. Dabei bitten wir die Einkäufer*innen, ein Produkt mehr in den Warenkorb zu legen und uns zu übergeben. Wir spenden den gesamten Erlös dann an die Tafel in St. Wendel. Es kommt immer eine Menge zusammen!

Außerdem haben wir unsere jährliche Nikolausaktion. Gegen eine Spende kommt der Nikolaus mit Knecht Ruprecht am Nikolausabend vorbei. Von den Einnahmen kaufen wir dann Kindern aus bedürftigen Familien Geschenke zu Weihnachten. Wir freuen uns auch in diesem Jahr wieder auf zahlreiche Besuche als Nikolaus! Neben vielen spannenden Vorträgen treffen wir uns sonst zum Grillen, Billiard spielen oder anderen Aktivitäten. Wir sind immer auf Mitgliedersuche. Falls Du Interesse hast uns kennenzulernen oder jemanden kennst, schreib uns gerne eine Nachricht an (stwendel-vorstand@rotaract.de).

Du warst bereits dreimal in Afrika, um Dich dort an Sozialprojekten zu beteiligen. Welche waren das und was hast du alles erlebt?

Nachdem ich 2019 mein Abitur gemacht habe, ging es für mich im Januar 2020 für über zwei Monate nach Kenia in die Gegend Rarieda nahe des Viktoriasees. Dort habe ich an einem Projekt von Rotary International (der Dachorganisation von Rotary, der Rotaract auch angehört) mitgearbeitet. An das Projekt gekommen bin ich über Michael Finkler, Rotarier aus St. Wendel, welcher der Projektverantwortliche ist.

Mitgearbeitet habe ich am damals laufenden Projekt „I-READ“ Investing in Rural Education And Development. Es wurden bei über 600 Haushalten Solarkits installiert, an Schulen E-Reader verteilt und weitere Maßnahmen getroffen. Die Umsetzung vor Ort erfolgt über eine Partnerschaft mit der NGO „Rafiki wa maendeleo trust“, welche seit über 20 Jahren in Rarieda aktiv ist. Seit über 10 Jahren ist Rotary mit Projekten in Rarieda involviert. Mitte 2020 haben sich Michael, unsere damalige Rotaract Distriktsprecherin Sarah und ich zusammengesetzt und ein neues gemeinsames Projekt von Rotary und Rotaract ins Leben gerufen. Dieses läuft seit Juli 2021 und trägt den Namen „YES! Youth Empowered Solutions“. Es soll die Jugend in der Region stärken. Dafür haben wir vor Ort einen Rotaract Club gegründet, der mittlerweile selbst mit Projekten wie Baumpflanzaktionen aktiv ist. Außerdem werden
Jugendgesundheitsbotschafter ausgebildet, die über Themen wie HIV, AIDS, geschlechterspezifische Gewalt, usw. sprechen. Durch eine Street Business School werden außerdem Kenntnisse vermittelt, um sich selbstständig zu machen und ein kleines eigenes Geschäft aufzubauen (sehr verbreitet). Das sind die Kernpunkte des Projektes, welches durch viele weitere Punkte wie beispielsweise den Häuserbau erweitert wird. Im März 2022 haben wir seit Corona den ersten Projektbesuch durchgeführt und zahlreiche Meetings gehabt. Das YES! Projekt läuft noch bis mindestens 2023. Eine weitere schöne Initiative vom Rotarier Rolf Mengel aus Ingelheim war der Mitte 2022 durchgeführte Freundschaftsaustausch mit Kenia. Dort haben Rotarier und Rotaracter aus Kenia und Deutschland sich gegenseitig besucht.

Inwieweit haben dich diese Erfahrungen persönlich geprägt?

Rarieda ist eine der ärmsten Regionen in Kenia, viele Menschen dort leben in für uns unvorstellbaren Verhältnissen. Das zu erleben und trotzdem zu sehen, wie (kleine) Dinge wertgeschätzt werden, regt einen zum Nachdenken an. Es hat mich persönlich definitiv weitergebracht und bekräftigt, weiterhin aktiv zu sein. Außerdem hat es dazu geführt, dass ich mich noch intensiver über andere Projekte informiert habe. Es ist Wahnsinn, wie viele Projekte und Engagement es weltweit gibt.

Du bist auch an der Universität des Saarlandes für besonderes studentisches Engagement mit dem „BeStE-Preis“ ausgezeichnet worden. Während der Pandemie haben du und dein Kommilitone Benedict Böttger das „UdS SOFA“ (kurz für Studentische Online Freizeitangebote) aufgebaut, ein Server auf der Plattform Discord, auf der sich Studierende vernetzen können. Wozu wurde sie während der Pandemie am meisten genutzt und hättest du gedacht, dass sie sich so gut etablieren würde?

Ich habe mein Studium während des Sommersemesters 2020 angefangen. Die online Lehre war für uns alle neu. Leider gab es kaum bis keine sozialen Events, um andere Studierende kennenzulernen. Einer der wenigen, die ich kennengelernt habe, war Benedict. Im Wintersemester haben wir beide gemeinsam mit anderen dann das SOFA aufgebaut. Dort haben sich eigentlich jeden Tag zahlreiche Studierende
getroffen, um gemeinsam zu lernen, Vorlesungen zu hören oder abends gemeinsam zu spielen oder zu reden. An unseren organisierten Spieleabenden hatten wir auch immer volles Haus. Der Rekord liegt bei 130 Teilnehmenden an einem Abend.

Ansonsten gab es auch ein paar online Kochabende und weitere Events wie Schachturniere etc. Wir hatten nie geplant, dass das SOFA so groß wird. Die Nachfrage, sich zu vernetzen, wenn man nur von zuhause aus lernt, war aber verständlich groß und so wuchsen wir ständig. Mittlerweile ist die Universität ja wieder zurück in den Präsenz- bzw. Hybridbetrieb gewechselt. Daher ist die Nachfrage wieder deutlich weniger geworden. Das macht aber nichts, da jetzt das Leben vor Ort auf dem Campus wieder stattfindet und auch die Fachschaften wieder mit tollen Events aktiv sind!

Nun seid ihr auch für den Deutschen Engagementspreis nominiert worden. Die Abstimmung für den Publikumspreis geht noch bis zum 18. Oktober 2022.
Edit: Die Abstimmung ist abgeschlossen. Die Sieger werden bei der Preisverleihung am 01. Dezember bekannt gegeben.

Die Abstimmung befindet sich im Endspurt und es geht ganz einfach: Auf der Website des Deutschen Engagementpreises unser Projekt auswählen, Name und E-Mail eintragen und danach die E-Mail bestätigen. Dauert weniger als 1 Minute. Auf der Website finden sich auch nochmal mehr Informationen zu unserem Projekt. Wir sagen Danke für jede Unterstützung! Link: https://sic.link/depsofa

Was würde es dir bedeuten, diesen Preis zu gewinnen?

Für den Engagementpreis sind Projekte nominiert, die tiefgehender und beeindruckender sind als unseres. Wir haben während Corona eine Lücke gesehen und diese geschlossen. Wir sind dankbar für die Auszeichnung aber auch froh, dass es keine reinen Online-Semester mehr gibt. Daher ist unser Anspruch gar nicht, den Preis zu gewinnen. Die Top50 der Abstimmung erhält eine Einladung zu einem
Weiterbildungsseminar im nächsten Jahr. Wir würden uns als Team freuen, an diesem Seminar teilzunehmen.

Was ist deine Motivation für dein ehrenamtliches Engagement?

Eine genaue Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Die einfachste wäre vermutlich: Es macht mir Spaß. Verschiedene Kulturen, praktische Erfahrungen, spannende Kontakte, interessante Projekte, soziale Verantwortung und persönliche Weiterentwicklung. All das sind Stichpunkte, mit denen sich meine Motivation begründen lässt und sich Ehrenamtler*innen wiederfinden können.

Warum ist ehrenamtliches Engagement deiner Meinung nach wichtig für unsere Region?

Ich denke, dass unsere Gesellschaft ohne ehrenamtliches Engagement eine komplett andere wäre. Rund 30 Millionen Bürgerinnen und Bürger engagieren sich Deutschlandweit auf so viele unterschiedliche Arten. Auch für das Saarland und den Landkreis St. Wendel spielt ehrenamtliches Engagement eine fundamentale Rolle. Menschen, die soziale Verantwortung übernehmen, haben die Möglichkeit Dinge zu
verändern. Man lernt dabei unglaublich spannende Personen und Projekte kennen und erweitert seinen eigenen Horizont. Ich wünsche mir, dass die vielen Projekte und Vereine im Landkreis St. Wendel weiter so gut laufen und aktiv beworben werden.

Hast du schon weitere Projekte in Planung?

Was ich für 2023 gerne organisieren würde, ist ein Doppelkopfturnier für den guten Zweck. Ansonsten gibt es viele Möglichkeiten mit Rotaract und ich schau mal, was die Zeit mit sich bringt und welche Chancen es zu ergreifen gibt. Vielen Dank für das Interview!

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