Marpingen: Auf nach Berlin

Landessieger Justus Gerber von der Gemeinschaftsschule Marpingen vertritt das Saarland beim Bundesfinale Jugend debattiert am 22. Juni in Berlin

Marpingen. Er ist 17, kommt aus Alsweiler, ist Schüler der Klasse 10b – und nimmt am 22. Juni am Bundesfinale Jugend debattiert in Berlin unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten teil. Erstmals hat es ein Schüler der Gemeinschaftsschule Marpingen geschafft und wurde Landesssieger. Das erste Mal ist es auch, dass eine Gemeinschaftsschule den besten Debattanten im Saarland stellt und ihn nun nach Berlin schickt. Dort wird er gegen die anderen 15 Landessieger antreten, um die Jugend-debattiert-Krone zu erringen. Justus Gerber hat sich innerhalb der Klasse als bester Redner qualifiziert. Dann setzte er sich gegen seine Mitdebattanten aus drei Gymnasien im Regionalwettbewerb der Sekundarstufe 1 durch, anschließend debattierte er sich auf Platz eins beim Landesfinale in Saarbrücken kurz vor Ostern.

Mächtig stolz ist man in Marpingen auf ihn. Denn Debattieren wird hier seit über 15 Jahren groß geschrieben, jedes Jahr nehmen zahlreiche Klassen der Stufen 9-12 an der Rhetorikschulung teil. Mit Justus schickt die Marpinger Schule nun erstmals einen Schüler nach Berlin. „Diskutiert habe ich schon immer und über alles Mögliche“, erklärt Justus. Und zwar so lange, bis seine Mutter abwinkte und meinte, er habe ja sowieso Recht. Und das nicht nur wegen seiner überzeugenden Argumente, sondern auch wegen seiner Freude an der sprachlichen  Auseinandersetzung und seinem sympathischen Auftreten. Vor allem sei Offenheit gefragt, führt Justus weiter aus. Es gehe ja bei Jugend debattiert nicht um Selbstdarstellung oder um die Durchsetzung einer eigenen Meinung auf Biegen und Brechen. Für ihn heißt diskutieren auch, sich überraschen zu lassen von neuen Sichtweisen, die auch die eigenen Position durchaus in Frage stellen können. Daher hat er sich auch schon früh für den Rhetorikwettbewerb begeistern können, der nach klaren Regeln abläuft, bei dem Sachwissen, faires Debattieren und klare Positionierung im Mittelpunkt stehen.

Bei den unterschiedlichen Themen, die bei Jugend debattiert aufgegriffen werden, sei es auch unumgänglich, sich umfassend informieren zu können. Ob es um die künstliche Beschneiung in Skigebieten geht, ob die Einstellung von Nicht-Pädagogen in den Schuldienst zur Debatte steht, Justus bereitet sich akribisch vor, recherchiert umfassend Hintergründe, Folgen und Argumente für oder gegen eine Position. Zumal er ja nie weiß, welche Partei er in der Viererdebatte bei zwei Pro- und 2 Contra-Positionen er denn nun ergreifen wird. Systematisch geht er vor, gliedert seine Argumentation nach Oberbegriffen, und kann so auch spontan Gegenargumente entkräften, auch wenn er inhaltlich gerade ‘mal keine passenden Daten zur Hand hat. Erstaunlich ist es, wie der junge Mann vor einem Publikum, vor der Jury und mit seinen Mitdebattanten agiert: souverän, sprachlich klar und präzise, überzeugend in der Gedankenführung, fair und immer zielorientiert in der Debatte, die sich über 25 Minuten erstreckt. So hat er zuerst seine Lehrer, dann die Juroren des Regional- und später des Saarlandwettbewerbs überzeugt.

Er selbst wirkt dabei sehr natürlich, locker. Es scheint, dass das Diskutieren ihm im Blut liegt, dass er aufblüht, wenn es darum geht, sich über ein Problem sprachlich zu streiten. So offen, selbstbewusst und gut vorbereitet er in die Debatte geht, so offen und lebenslustig ist er auch sonst. Seit Jahren in der freiwilligen Feuerwehr Alsweiler aktiv, engagiert er sich auch in der Schülervertretung der Gemeinschaftsschule Marpingen, spielt Theater, joggt, steht auch dem Ausgehen nicht ablehnend gegenüber, handwerkelt gerne vor sich hin und lernt seit einigen Monaten Geige spielen. Kreativität sei ihm wichtig, etwas Neues ausprobieren. Justus hinterfragt gerne alte Antworten auf persönliche und gesellschaftliche Fragen, sucht neue, alternative Lösungswege. Genau diese Eigenschaften haben ihn nun bis nach Berlin gebracht. Justus selbst nimmt das Bundesfinale  – getreu dem olympischen Motto: „Dabeisein ist alles.“ – eher gelassen. Zwei intensive mehrtägige Rhetorikschulungen habe er schon erhalten, viel Selbstvertrauen dazugewonnen, sein Wissen erweitert. Das sei schon viel mehr, als erwartet und ganz unabhängig von der Platzierung ein Riesengewinn. 

Am 22. Juni vertritt Justus in Berlin nicht nur seine Schule, nicht nur den Kreis St. Wendel. Das ganze Saarland drückt ihm die Daumen, wenn es heißt – Jugend debattiert Bundesfinale 2019. 

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