Marketing für Wettbüros

Wenn die Fußballer auf dem Rasen auflaufen, die Tennisstars auf den berühmten Courts die Schläger in die Hand nehmen oder die Formel-1-Fahrer den Motor ihrer Boliden starten, zittern die Fans überall mit.

Das gilt vor allem, wenn sie auf den Ausgang der Matches oder Rennen Wetten platziert haben. Mehr als 8,8 Milliarden Euro haben die Deutschen allein im Jahr 2018 auf Sportereignisse gesetzt. Davon entfielen mehr als 7,3 Milliarden Euro auf private Sportwetten kommerzieller Anbieter. Nur ein Bruchteil der Wetten wurden mit rund drei Prozent auf die staatlichen Wettprodukte aus den Lotto- und Totoannahmestellen gesetzt.

Das liegt auch daran, dass Sie schon längst nicht mehr aus dem Haus gehen müssen, um auf Ihre Favoriten zu tippen. So wie überall die Digitalisierung vorangeschritten ist, haben sich gerade auch Wettbüros den Trends im modernen Leben angeschlossen. Auf mehr als 5000 Einrichtungen aus Stein oder online wird die Zahl allein in Deutschland geschätzt.

Das bedeutet aber auch, dass es für die einzelnen Anbieter immer schwieriger wird, sich aus der Masse abzuheben. Umso entscheidender werden die Marketingstrategien.

Ähnlich wie bei den Reisebüros, in denen die gleichen Hotels zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden, können sich bei Wettbüros die Quoten für die gleichen sportlichen Ereignisse voneinander unterscheiden. Kunden, die diese Quoten für Wetten und die daran geknüpften Bedingungen nicht mühelos finden und verstehen können oder die sich erst durch ein halbes Dutzend Seiten klicken müssen, werden kaum zu dem Anbieter zurückkehren, sondern sich stattdessen lieber der Konkurrenz zuwenden.

Übersichtlichkeit der Webseite, schneller Aufbau und ansprechende Grafiken sind wie bei den Online-Reisebüros auch Grundvoraussetzung. Doch weil die meisten Anbieter wissen, wie wichtig dies ist, vernachlässigen nur wenige erfahrene Unternehmen diesen Aspekt. Deshalb kommt einem einprägsamen, kurzen Werbeslogan besondere Bedeutung zu. Wer sich beim Gedanken an Sportwetten automatisch an einen knackigen Spruch erinnert, wird mit größerer Wahrscheinlichkeit gleich zu der damit verbundenen Seite gehen, als im Internet nach Anbietern zu suchen.

Online oder Offline-Anbieter gleichermaßen sollten zudem die altmodischen Werbezettel und Broschüren nicht vergessen. Selbst wenn der Großteil der Empfänger die in den Briefkasten geflatterte Werbung ignoriert, bleiben immer noch einige Leser übrig, die sich für den offerierten Willlkommensbonus, die Informationen und Wettangebote für Spitzenereignisse, aber auch zweitrangige lokale Turniere interessieren. Wer die Lektüre durch Randnotizen, Sportmomente aus der Vergangenheit oder Portraits von Athleten ergänzt, kann mit Glück sogar zum Gesprächsthema in der Nachbarschaft werden.

Wer auf fast unwiderstehliche Quoten für ein spezielles Match oder Rennen setzt, um neue Kunden anzulocken, sollte sich allerdings vorher vergewissern, dass die Wahrscheinlichkeiten so sind, dass die Wetter nicht plötzlich dermaßen abkassieren, dass dem Wettbüro die Pleite droht. Quoten wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, bei der ein Wettbüro eine Auszahlung von 2000:1 für den Fall anbot, dass Deutschland im Finale gegen Italien gewonnen und der deutschstämmige Papst Benedikt daraufhin auf dem Petersplatz lauthals „We Are The Champions“ geschmettert hätte, klingen amüsant, können aber für den Anbieter ins Geld gehen, so gering die Wahrscheinlichkeit auch ist. In diesem Fall verlor Deutschland, so dass der Papst gar nicht erst für die Erfüllung der Wette ins Spiel kam.

Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag, der ab dem 1. Juli 2021 in der gesamten Bundesrepublik gilt, ändert sich die Wettlandschaft ein bisschen. Weil bislang nur bestimmte Sportwetten in Deutschland erlaubt waren und Online-Casinos außerhalb Schleswig-Holsteins erstmals in allen Bundesländern legal werden, ist das Interesse an den Lizenzen für Anbieter groß. Bereits jetzt ist eine Übergangsregelung in Kraft, und etliche international agierende Wettbüros haben Genehmigungen erhalten. Dafür müssen sie allerdings schon jetzt die Bedingungen erfüllen, die ab dem Sommer offiziell in Kraft sind.

Dazu gehört ein strikter Jugendschutz. Nur wer bei der Kontoanmeldung seine Identität und Volljährigkeit beweisen kann, bekommt Zugang zum Online-Glücksspiel. Zocker, die zum Beispiel durch hohe Einsätze, große Risikofreudigkeit oder sehr häufiges Spielen als suchtgefährdet auffallen, werden in eine bundesweit geltende Sperrdatei aufgenommen. Zudem können Spieler sich zu ihrem eigenen Schutz freiwillig in die Sperrdatei eintragen lassen.

Damit das Spiel Spaß bleibt und nicht ruinös wird, gilt künftig zudem ein monatliches Höchstlimit von 1000 Euro pro Person. Dabei macht es keinen Unterschied, auf welcher Webseite oder für welche Art Glücksspiel das Geld eingesetzt wird, vom Zahlenlotto bis zur Fußballwette.

Verrückte Nebenwetten wie der Tipp, dass ein Spieler einen anderen beißt oder ein Kicker in Tränen ausbricht, haben der deutschen Regelung nach nichts mit dem eigentlichen Sport zu tun und werden in hiesigen Wettbüros online und offline nicht zu finden sein. Dafür bekommen die Tipper Rechtssicherheit, Schutz und Transparenz, die auf außerhalb der europäischen Union zugelassenen Webseiten nicht unbedingt gegeben sind. Das bedeutet für die Fans, dass sich das Zittern beim Anpfiff oder Startschuss tatsächlich auf das sportliche Ereignis beschränken kann und nicht auf die Frage, ob bei der Wahl des Wettbüros womöglich auf das falsche Pferd gesetzt worden ist, weil sich auf den ersten oder zweiten Blick weder allgemeine Geschäftsbedingungen noch die Adresse und das lizenzgebende Land feststellen ließen. Wie jedes Milliardengeschäft zieht nämlich auch der Sportwettenmarkt schwarze Schafe an, die von den deutschen, aber auch EU-Regeln so weit entfernt sind wie die Bundesliga vom Ball spielen im Kindergarten.

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