Leuchtturmprojekt Freizeitweg – Recktenwald: „Bahnstrecke ist unrealistisch“

Die Planungen sind im vollen Gange, die Ausschreibungen zum Ausbau sollen im Sommer erfolgen, im Herbst stehen die ersten Rodungsarbeiten an: Knapp über 5 Millionen Euro soll der knapp 30 km lange Freizeitweg entlang einer stillgelegten Bahntrasse kosten, der die Gemeinden Freisen, Nohfelden und Nonnweiler verbindet – ein Freizeitweg, der im Koalitionsvertrag der saarländischen Landesregierung als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnet wird. Daher soll es auch Geld vom Land geben, vom Wirtschafts- wie auch Innenministerium. Zudem: Einstimmig hat der Kreistag des Landkreises St. Wendel im Dezember 2017 beschlossen, dass der Landkreis die Projektträgerschaft für den gesamten Weg übernimmt. Unter anderem eine Erleichterung für Gemeinden und Ministerien bei der Abwicklung der Zuschüsse und Baumaßnahmen. „Hier entsteht ein Highlight mit hohem Freizeitwert, eine wichtige Ergänzung unseres touristischen Angebotes. Der komplett asphaltierte Weg, ohne größere Steigungen, mit sicheren Übergängen, in unserer zauberhaften Landschaft, wird attraktiv für viele Nutzergruppen sein: von Radlern, Spaziergängern, Inline-Skatern, über Rollstuhlfahrer, ältere Personen mit Rollatoren bis hin zu kleinen Kindern, die gerade Radfahren lernen“, ist Udo Recktenwald, Landrat des Landkreises St. Wendel, überzeugt. Auch gebe es konkrete Überlegungen, wo Abzweigungen zu Sehenswürdigkeiten und Freizeiteinrichtungen eingerichtet, Gastronomien angeschlossen und angesiedelt, E-Bike-Stationen angelegt werden können. Etliche Aufträge wurden bereits vergeben, wie Projektsteuerung und Projektplanung, die landschaftspflegerische Begleitplanung, etliche vorbereitenden Ingenieurleistungen und insbesondere der Auftrag für die Verhandlungen für den Grundstückserwerb und die Planung der ökologischen Ausgleichsmaßnahmen.

Nicht überzeugt ist die Interessengemeinschaft (IG) Nationalparkbahn. Diese möchte die stillgelegte Bahntrasse reaktiveren, darauf neben dem Weg eine Museumsbahn fahren lassen. „Selbstverständlich haben wir uns mit diesem Gedanken schon in einer sehr frühen Planungsphase beschäftigt“, sagt Martina Scheer von der Tourist-Info Sankt Wendeler Land. „Wir kamen aber zu dem Ergebnis, dass auf einer Bahntrasse wie der Hochwald-Bahn zwischen Nonnweiler-Bierfeld und Türkismühle realistisch nur mit einer sehr sporadischen Nutzung als Museumsbahn zu rechnen ist. Eine parallele Wegführung funktioniert selbst nach eigenen Aussagen der IG nur auf einem sehr kleinen Teilabschnitt und ist unrealistisch. Der Sicherheitsaspekt wird zudem vollkommen außer Acht gelassen: Wie kann man ein Kind neben einem fahrenden Zug herradeln lassen und was ist mit den Brückenbauwerken?“ Zwischen Türkismühle und Schwarzenbach beispielsweise müsste in Eckelhausen und Sötern von der Bahntrasse abgewichen werden. Scheer: „Die IG Nationalpark stellt öffentlich nur die Situationen dar, bei denen ein Nebeneinander von Bahn und Freizeitweg gerade so funktionieren würde und die Stellen, bei denen das selbst aus deren Sicht gar nicht ginge, erwähnt sie einfach nicht.“ Oder in Nonnweiler. Hier soll nach Plänen der IG die Weg-Route unter anderem über Ortsstraßen führen. Scheer: „Das ist völlig unattraktiv, ein Sicherheitsrisiko für die Nutzer, nicht behindertengerecht und auch nicht konform mit den Qualitätsansprüchen an einen touristischen Freizeitweg.“

Schließlich: die Kostenfrage. Die Reaktivierung einer Bahntrasse kostet Geld, der Erhalt sowieso. Dass durch verkaufte Tickets eine Museumsbahn erhalten werden kann, sieht Landrat Recktenwald skeptisch: „Der Erhalt einer unter Betrieb stehenden Bahntrasse ist grundsätzlich sehr viel aufwändiger als der Erhalt eines asphaltierten Freizeitweges, wie der Landkreis aus dem Betrieb der Ostertalbahn weiß. Denn diese wirft keinen Gewinn ab – ganz im Gegenteil!“

Somit sind sich die beteiligten Bürgermeister, Ministerien und der Landkreis einig: Eine Museumsbahn ist unrealistisch. Daher kommt sie nicht in Betracht. Sinnvoll sei nur ein Freizeitweg. Scheer: „Bahntrassenwege sind deshalb so erfolgreich, weil sie nahezu ohne Steigungen, ohne enge Kurven und mit nur ganz seltenen Straßenquerungen durch die Landschaft führen. Gerade das macht die außerordentlich hohe Akzeptanz in der Bevölkerung zum Beispiel des Bliestal-Freizeitweges, des Wendelinus-Radweges oder auch des im benachbarten Rheinland-Pfalz gelegenen Ruwer-Hochwald-Radweges aus.“

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on linkedin
Share on telegram

ANZEIGEN