Corona Teststrategie

Landkreis St. Wendel will Modellregion „Testen und Öffnen“ werden

Der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald unterstützt die Ankündigung des saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans zu einem Paradigmenwechsel in der Corona-Politik und hat dem Ministerpräsidenten in einem Gespräch angeboten, den Landkreis St. Wendel als Modellregion zur Umsetzung konkreter Öffnungsschritte in Verbindung mit einem konsequenten Testregime zu nutzen.

Laut Absprache zwischen Bund und Ländern ist es möglich, in ausgewählten Regionen mit strengen Schutzmaßnahmen und einem Testkonzept einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens zu öffnen, um die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten unter Nutzung eines konsequenten Testregimes zu untersuchen.

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Udo Recktenwald: „Nach über einem Jahr Pandemie muss Ostern ein Wendepunkt sein. Wir können uns nicht weiter von einem Lockdown zum nächsten schleppen. Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben und können nicht das Leben abschließen, bis die letzte Mutante besiegt ist. Wir brauchen ein System aus Impfen, Testen, Schützen und Öffnen, um einerseits vulnerable Menschen vor einer schweren Infektion zu schützen, die Impfung voranzutreiben und gleichzeitig durch die Ausweitung von Testangeboten die Öffnung von Einzelhandel, Gastronomie, Kultur, Sport und Freizeit zu ermöglichen.“

Der Landkreis St. Wendel erarbeitet ein Konzept zur Ausweitung der Testmöglichkeiten. Der Ministerpräsident habe ihm signalisiert, so der Landrat, dass genügend Testkapazitäten zur Verfügung stehen. Darüber hinaus werde auf Landesebene an der Umsetzung einer App-basierten Testung und Kontaktverfolgung gearbeitet. Auch kontrollierte Selbsttestung werde irgendwann möglich sein. Der Landrat hat dies auch mit den Bürgermeistern diskutiert und betont, dass im Landkreis alle an einem Strang ziehen.



Der Landkreis St. Wendel hat bereits die sieben Landgemeinden mit dem Betrieb kommunaler Testzentren beauftragt, die seit dem 15. März erfolgreich laufen mit Unterstützung von Bundeswehr und DRK. Hinzu kommt das privat betriebene Landestestzentrum in der Kreisstadt. Darüber hinaus will der Landkreis weitere private Testzentren beauftragen. Dies hat der Landkreis öffentlich ausgeschrieben, dazu liegen bereits Angebote verschiedener Anbieter vor. Auch am Bostalsee sollen mit Blick auf Besucher der Freizeiteinrichtungen zwei Testzentren (Bosen und Gonnesweiler) von privaten Anbietern errichtet werden.

In enger Abstimmung mit den Kreis-Bürgermeistern, der Gastronomie, dem Einzelhandel erarbeitet der Landkreis analog dem Tübinger Modell ein Konzept, wonach ein negatives Testergebnis die Möglichkeiten bieten soll, Angebote, etwa den Besuch der Gastronomie, des Einzelhandels, von Freizeiteinrichtungen, aber auch von Angeboten in Sport und Kultur, wahrzunehmen. Landrat Recktenwald: „Wir brauchen eine durchdachte Strategie, nicht wilden Aktionismus ohne Substanz. Unsere St. Wendeler Vorgehensweise habe ich gestern dem Ministerpräsidenten erläutert und seine grundsätzliche Unterstützung gefunden. Wir müssen unseren Bürgerinnen und Bürgern nach einem harten Jahr Perspektiven bieten, Möglichkeiten und Wege, schrittweise aus dem Krisenmodus zu kommen. Harte Lockdowns können nach einem Jahr Pandemie nicht mehr der Weisheit letzter Schluss sein. Wir müssen testen, testen, testen, dadurch Infektionsketten früh unterbrechen, aber auch das gesellschaftliche Leben unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln wieder zulassen. Angst ist kein guter Ratgeber, wir brauchen Mut, Vernunft und Zuversicht. Wir brauchen differenzierten Umgang mit einem differenzierten Infektionsgeschehen. Die Inzidenzzahl allein ist nicht aussagekräftig. Wir haben auch dank der Impfungen keine Ausbrüche mehr in Seniorenheimen, keine Überlastung im Krankenhaus, keine Cluster in Kitas, Schulen oder Geschäften.“

Wenig Verständnis hat der St. Wendeler Landrat für das, was von der Bund-Länder-Konferenz mitten in der Nacht beschlossen wurde. „Es ist arbeitsrechtlich völlig unklar, was ein Ruhetag ist. Nach Malle darf man fliegen, aber nicht auf den Campingplatz am Bostalsee fahren. Profifussballer kicken munter weiter, Freizeitsportler dürfen nur zuschauen. Öffentliche kontrollierbare Treffpunkte mit Hygienekonzept bleiben zu, im privaten Raum ist allem Tür und Tor geöffnet. Wenn wir die Menschen mitnehmen wollen, müssen sie die Maßnahmen verstehen, nachvollziehen und akzeptieren. Ungerechtigkeiten, Ungleichbehandlungen und Unlogisches kosten Vertrauen und Akzeptanz.“

Kritik äußert der Landrat auch an der Beschränkung der Kirchen über Ostern. „Ostern ist der höchste christliche Feiertag. Wir können nicht auf der einen Seite den Verlust kirchlicher Bindungen beklagen, andererseits aber das höchste Fest untersagen. Die Kirchen haben durchdachte Hygienekonzepte und eine begrenzte Besucherzahl. Das sollte auch an Ostern möglich sein“, sagt Recktenwald.

„Ich hoffe, dass es uns nach Ostern gelingt, mit einer engmaschigen Teststrategie, dem Impfen in Arztpraxen und Impfzentren auch eine Öffnungsstrategie für möglichst alle gesellschaftlichen Bereiche umzusetzen. Der Landkreis steht dazu bereit“, so der Landrat abschließend.

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