Zum Nachdenken

Klimawandel und Regionalität – Kommentar

Manfred Johann

Ein Leser-Beitrag von Manfred Johann, Tischler und Meister:

Es ist nicht zu verstehen, dass Deutschland unter Holzknappheit leidet. Amerika und China kaufen in Deutschland containerweise unsere Holzstämme in großem Stil. Grund: In Amerika ist ein Bau-Boom entstanden und dort werden die meisten Häuser zwischen 70 und 80 % aus Holz gefertigt. Die Chinesen verarbeiten unsere Holzstämme zu Multiplex- und Furnierplatten. Diese Produkte verkaufen sie dann als veredelte Platten auf dem Weltmarkt und insbesondere nach Deutschland, bzw. nach Europa. Also kommt das Holz in veredelter Form wieder zurück.

Auf der anderen Seite ist Europa der zweitgrößte Tropenwaldzerstörer weltweit hinter China. 16% der globalen Tropenholz-Abholzung im Zusammenhang mit internationalem Handel geht auf das Konto der Europäischen Union. China nimmt mit 24% der globalen Tropenwaldzerstörung Platz eins ein. Indien folgt mit 9 % auf Platz 3 und auf Platz 4 der WWF folgt dann die USA mit 7%. Dies zeigt die Studie der WWF „World Wide Fund For Nature“, der größten Naturschutzorganisation der Welt, die in mehr als 100 Ländern aktiv ist (auf dem Label der WWF ist der Panda-Bär abgebildet).

Die Satellitenbilder zeigen ganz genau, wohin das Tropenholz in Verbindung mit den Handelsströmen verkauft wird. Aus diesem Grund fordert WWF die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, für verbindliche Sozial und
Umweltstandards in den internationalen Handelsbeziehungen zu sorgen. Innerhalb der EU importierte laut Report, Deutschland von 2008 bis 2018 mit Abstand das meiste Tropenholz. Im Durchschnitt werden jährlich 43700 Hektar Tropenwald für deutsche Importe vernichtet. Der größte Teil des Tropenwaldes wird durch die Importe für den Anbau von Soja, Palmöl, Kakao und Kaffee genutzt.

In den Ländern Brasilien, Indonesien, Kongo und Paraguay hat der Konsum der EU und auch die Gier der Großaktionäre nach noch mehr Geld die meisten Tropenwaldflächen vernichtet. Es ist unerträglich, wie diese Leute mit ihrer Geldgier und Aktiengeschäften direkt den Klimawandel verursachen. Durch die importierte Entwaldung hat die EU indirekt 116 Millionen Tonnen CO2 Emissionen verursacht. Das ist vergleichbar mit einem Viertel der EU-Emissionen aus der Landwirtschaft in einem Jahr. Diese Studie der WWF erfordert von allen rational denkenden Menschen ein sofortiges Umdenken in unserer Lebensweise und dem Umgang mit der Natur.

Die Landwirtschaft und auch die Forstwirtschaft muss ganz klare Vorgaben für den Umgang mit unserer Natur und unseren Tieren erhalten. Vor allem verdient die Natur mit all ihren Facetten mehr Respekt von uns Menschen. Beim Kauf von Lebensmitteln und dem kauf von Holzprodukten sollten wir verstärkt auf regionale Erzeugnisse achten und zurückgreifen, dies stärkt die regionale Wirtschaft und wir wissen wo die Produkte herkommen. Obst – Gemüse – Fleisch – Molkereiprodukte – Backwaren – Teigwaren und Holzerzeugnisse, alles wird regional hergestellt und vertrieben. „Unsere Region schmeckt einfach gut“

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