Interview: Schönheitsoperationen – sinnvoll oder überflüssig?

Botox- und Hyaluronbehandlungen, Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen und, und, und- seit einigen Jahren ist die Schönheitschirurgie längst nicht mehr nur für wohlhabende, gut situierte Leute realisierbar. Immer mehr Menschen entschließen sich dazu, ihr Aussehen durch eine Schönheitsoperation zu optimieren. Die internationale Vereinigung der Ästhetisch-Plastischen Chirurgen schätzte die Gesamtzahl der jährlich in Deutschland durchgeführten chirurgischen Eingriffe ästhetisch-plastischer Natur zuletzt auf  weit über 900.000.

Auch die 30-jährige Malina R. aus St. Wendel hat im letzten Jahr eine Schönheitsoperation durchführen lassen. Wir haben mit der Verwaltungsangestellten über ihre Entscheidung, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen, den Weg bis dorthin, die Operation selbst und vieles mehr gesprochen.

Malina, du hast im letzten Jahr  den Entschluss gefasst, dich einer Schönheitsoperation zu unterziehen- wie ist es dazu gekommen?

„Auch wenn es für manche Menschen unverständlich sein mag: wenn man sich in seiner Haut massiv unwohl fühlt, sich noch so viel anstrengt, sich aber nichts verändert und sich dieses damit verbundene schlechte Gefühl immer wieder durch alle möglichen Lebenssituationen zieht, hat man, meiner Ansicht nach, das Recht etwas zu verändern.

Ich habe schon immer unter meinem extrem flachen Hintern gelitten. Seit Jahren war ich damit unzufrieden und fühlte mich beobachtet. Ich wurde darauf angesprochen und deshalb sogar beleidigt und gedemütigt. Im Vergleich zu anderen Frauen fühlte ich mich oft unattraktiv und schämte mich. Es war mir peinlich so unproportioniert zu sein.

Im Frühjahr letzten Jahres begann ich über Schönheitsoperationen zu recherchieren, und kurze Zeit später saß ich im Besprechungszimmer einer Schönheitschirurgin aus Rheinland-Pfalz. Schon nach kurzer Zeit stand mein Entschluss fest, und wir fixierten meinen Operationstermin.

Theoretisch ist so etwas ein „Luxusproblem“, aber trotzdem schmälert das meinen Leidensdruck nicht. Ich bin mir sicher, dass  sich viele Menschen nicht in meine Lage hineinversetzen können, mich belächeln und meine Entscheidung nicht nachvollziehen können, aber  wir sollten alle respektvoll, tolerant und verständnisvoll miteinander umgehen. Nicht jeder von uns hat ein starkes Selbstbewusstsein. Jeder Mensch ist anders.“


Du hast gerade beschrieben, dass du dich sehr unwohl gefühlt hast. Wie hat sich das konkret auf dein Leben ausgewirkt?


„Ich habe ständig versucht meinen Hintern zu verstecken. Dementsprechend habe ich oft lange Oberteile und Kleider getragen. Schwimmbadbesuche waren eher eine Seltenheit. Im Sommer fühlte ich mich besonders unwohl. Insbesondere vor Partnern habe ich mich sehr geschämt und konnte mich nicht frei bewegen, das war immerzu ein Problem, auch in sexueller Hinsicht. Außerdem habe ich versucht diesen Makel zu „beheben“, was natürlich bei einem flachen Hintern nicht gerade einfach war. Wenn man zu dick ist, kann man abnehmen, aber wenn der Po flacher als flach ist, helfen auch noch so viele gezielte spezielle Trainingsübungen nichts.  Um das Ganze nach außen hin etwas zu kaschieren, kaufte ich mir Unterwäsche oder Hosen, die gepolstert waren. All das hat meine Lebensqualität stark beeinträchtigt, mich frustriert und traurig gemacht.“

Das, „Sich-Unwohlfühlen“ mit dem eigenen Körper ist das Eine, den endgültigen Entschluss zu fassen sich operieren zu lassen, das Andere- dazwischen liegen Welten. Wie kam es nun zu dieser endgültigen Entscheidung? Und hattest du Angst vor dem, was dich erwartet?

„Schon seit meinen Teenagertagen habe ich über die Möglichkeit, mir Implantate in den Hintern einsetzen zu lassen, um einen wohlgeformten, fülligen, weiblichen Hintern zu haben, nachgedacht. Es schien allerdings so fern- einerseits, weil es eine große finanzielle Hürde darstellte und andererseits, weil es nun mal ein operativer Eingriff ist, der einige Konsequenzen und auch gesundheitliche Risiken nach sich ziehen kann. Es war ein jahrzehntelanger Prozess mit etlichen Überlegungen, meine Gedanken gingen hin und her. Im letzten Jahr, nachdem ich nun mein halbes Leben unter meinem Äußeren litt, spitzte sich die Situation zu, und mein Frust und meine Verzweiflung wurden immer stärker, deshalb musste ich etwas verändern.

Ja, ich hatte Angst vor dem Eingriff, war gleichzeitig aber auch voller Tatendrang. Ich versuchte den Fokus auf das für mich Positive zu legen, nämlich darauf, dass sich mein Traum, mich endlich in meinem Körper wohlzufühlen und unbeschwert, selbstbewusst und frei durchs Leben zu gehen, wahr werden kann. Ich dachte mir einfach ‚noch bin ich jung und wenn nicht jetzt, wann dann? Na los, ich suche mir jetzt einen erfahrenen angesehenen Facharzt, bei dem ich mich gut aufgehoben fühle und freue mich darauf, mehr Lebensqualität zu erhalten und das Leben zu genießen.‘
Ich erkundigte mich bei vielen Experten, führte viele persönliche Beratungsgespräche und redete auch mit Bekannten, die sich ähnlichen Schönheitsoperationen unterzogen haben. Man meint es nicht, aber heutzutage sind Eingriffe zur Optimierung des äußerlichen Erscheinungsbildes keine Seltenheit mehr.“


Du hast gerade neben den positiven Aspekten, die dich motiviert haben, die Umsetzung deines Traums anzugehen, unter anderem auch die finanzielle Herausforderung einer Schönheitsoperation angesprochen. Wie konntest du dieses Problem letztlich bewerkstelligen?

„Die Kosten einer Po-Vergrößerung werden leider nicht durch die Krankenkasse übernommen, da zur Durchführung keine medizinische Notwendigkeit besteht, ganz gleich ob man seelisch leidet. Der Eingriff kostet, je nach Anbieter, circa 6.000 Euro, was eine stolze Summe ist, die ich nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln konnte. Mit Hilfe eines Kredits konnte ich mir meinen Traum erfüllen und zahle diesen nun Stück für Stück ab. Ich habe einen festen Job und so ist das kein Problem für mich. Viele Ärzte arbeiten mit Kreditinstituten zusammen, die solche Eingriffe der ästhetisch-plastischen Chirurgie mit niedrigen Zinsen finanzierbar machen.“  

Darüber hinaus hast du auch die Komplikationen, die durch den chirurgischen Eingriff entstehen können, erwähnt. Welche möglichen gesundheitlichen Probleme können aus einer Po-Vergrößerung resultieren?

„Da eine Po-Vergrößerung mit Implantaten eine Operation ist, können, wie auch bei anderen operativen Eingriffen, Komplikationen entstehen. Neben den  Risiken einer Vollnarkose können nach der Operation  Taubheitsgefühle der Haut im Po-Bereich, Blutungen, Blutergüsse, Thrombosen, Verhärtungen, Wundheilungsstörungen usw. auftreten. Weiterhin besteht beispielsweise das Risiko, dass die Nähte bei übermäßigen Anstrengungen aufgehen oder die Implantate verrutschen. Übrigens können die Implantate entgegen dem Denken vieler  heutzutage nicht mehr platzen beziehungsweise auslaufen. Da das Gewebe durch den Einsatz der Gesäßimplantate in meinem Fall deutlich gedehnt wurde,  musste ich  mit intensiveren Schmerzen rechnen, die aber mit Schmerzmitteln gut behandelbar waren. Natürlich war klar, dass die Zeit nach der Operation erst einmal sehr ungewohnt und ungemütlich wird. Ich musste mir mehrere Wochen Urlaub nehmen und war auf die Hilfe meiner Familie und meiner Freunde angewiesen.“

Stichwort Familie und Freunde- wie sind diese mit deiner Entscheidung, dich einer Schönheitsoperation zu unterziehen,  umgegangen? Wann hast du ihnen von deinem Vorhaben berichtet?

„Ein paar engen Freunden habe ich schon direkt nach dem ersten Beratungsgespräch von meiner Absicht erzählt. Mein Partner wusste es als Erster und hatte, wie meine Freunde, vollstes Verständnis für meine Entscheidung. Auch die Reaktion meiner Mutter war positiv, es war wie ein Stein, der mir vom Herzen fiel, als ich darüber sprach. Alle gaben mir Rückhalt und das Gefühl, dass sie hinter mir stehen, und das machte mich sehr glücklich. Dem Rest meiner Familie habe ich es, aus Sorge vor unnötigen Streitigkeiten, erst nach der Operation gesagt, doch auch da stieß ich auf Verständnis.“

Im Oktober letzten Jahres war es dann endlich soweit und dein Operationstermin stand vor der Tür. Wie liefen der Eingriff und die Nachsorge ab?

 
„Am Tag der Operation war ich selbstverständlich sehr nervös. Mein Partner brachte mich in eine private Schönheitsklinik nach Zweibrücken, durfte coronabedingt aber nicht mit hinein. Ich war sehr aufgeregt und betete, dass alles gut laufen und sich all der Aufwand auszahlen würde, damit ich mich nach der OP endlich besser und wohler in meiner Haut fühlen würde. 

Nach dem zweieinhalbstündigen Eingriff fühlte ich mich müde, kaputt und gerädert, was völlig normal war. Ich musste drei Tage lang vor Ort bleiben und war froh in guten Händen und unter fachmännischer Aufsicht zu sein. Die ersten beiden Wochen waren am Schlimmsten für mich. In den ersten Tagen benötigte ich sogar Hilfe bei den Toilettengängen. Auch die Drainage zum Abfluss des Blutes und des Wundwassers war keine angenehme Angelegenheit. Über einen längeren Zeitraum konnte ich mich nicht richtig bewegen, nur auf dem Bauch schlafen, nicht sitzen und kein Auto fahren. Ich fühlte mich komplett hilflos. Alle zwei Tage musste ich den Verband wechseln und monatelang eine Miederhose tragen, um so die Implantate zu stützen und das Verrutschen zu vermeiden. Nach mehreren Kontrollterminen hatte ich das Gröbste überstanden.

Glücklicherweise scheint mein Körper über gut ausgeprägte Selbstheilungskräfte zu verfügen, und so habe ich Stück für Stück eine Besserung gespürt und gesehen. Mein Körper hat die Strapazen gut überstanden, und die Schmerzen waren erträglich.“



Wie geht es dir heute, acht Monate später, mit dem Ergebnis deiner Po-Vergrößerung?


„Mir geht es sehr gut, die Wunden sind vollständig ausgeheilt und ich fühle mich deutlich wohler und freue mich jetzt auf den Sommer. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Eingriff machen  ließ, denn ich fühle mich nun weiblicher, sexyer und schöner. Als ich das erste Mal wieder ein schönes enges Kleid anziehen konnte, ohne darüber nachzudenken, ob ich dieses überhaupt tragen kann, war das ein wunderbarer, befreiender Moment. Das Ganze war es wert.“



Nun kommen wir auf die Ursprungsfrage zurück. Sind Schönheitsoperationen, deiner Auffassung nach, sinnvoll oder überflüssig? Und was rätst du Menschen, die sich, wie du,  seit langer Zeit in ihrer Haut sehr unwohl fühlen und aufgrund bestimmter Körperpartien starken Leidensdruck verspüren?


„Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Ob eine Schönheits-OP sinnvoll oder überflüssig ist, ist abhängig von dem jeweiligen Einzelfall. Wenn sich jemand mehrfach operieren lässt, weil er immer wieder etwas findet, was er „verbessern“ möchte, ist das sicherlich ungesund und gefährlich.

In meinem Fall war es für mich die richtige Entscheidung diesen einen Eingriff vornehmen zu lassen. Ich bin glücklich, weil ich mich nun besser fühle und jetzt ein ganz anderes Lebensgefühl habe.

Meinen Recherchen zu  Folge sind es meistens Frauen, die solche Probleme mit dem eigenen Körper haben, dass sie Schönheitsoperationen durchführen lassen. Ich persönlich rege dazu an, zuerst einmal zu versuchen, sich so zu akzeptieren, zu schätzen und zu lieben, wie man ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber nur zu gut, wie schwierig das sein kann.

Ich selbst habe es mit intensivem Muskeltraining versucht, um an mein Ziel zu kommen, aber vergebens. Jeder sollte so aussehen können,  wie er oder sie es sich wünscht. Ich rate keinem zu einer Schönheitsoperation, sondern zum Aufbau und der Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins. Dennoch bietet die heutige Zeit Möglichkeiten, um das Wohlfühlen im und mit dem eigenen Körper wahr werden zu lassen, also verurteile ich auch niemanden, der diese Option in Anspruch nimmt. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass die Entscheidung für eine Schönheitsoperation gut und lange durchdacht sein sollte. Die Auswahl des Arztes sollte sorgfältig getroffen werden und ich empfehle eine Folgekostenversicherung abzuschließen, um die Finanzierung eventuell notwendiger Nachbehandlungen abzusichern.

Ganz wesentlich ist aber eines und damit möchte ich alle Personen ansprechen, die mit dem Gedanken spielen, sich einer Schönheits-OP zu unterziehen:

Tue es nur für dich selbst und niemals, um anderen zu gefallen. Es geht um dich, um deine Gefühle, um deine Lebensqualität, um dein Leben und um deine Zukunft und ganz ehrlich: Es spielt keine Rolle, was Menschen, die dir sowieso nicht wohlgesonnen sind, darüber denken. Und fallen auch noch so viele herablassende Worte, meistens ist es Neid darauf, dass du dir deinen Traum erfüllt hast!“

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