Ich lebe so gern in … Eitzweiler

Foto:Gerald Linn

Wir lieben unser St. Wendeler Land. Tagtäglich berichten wir deshalb für euch über alles was so in der Heimat vor sich geht. Dabei fällt uns immer wieder auf, dass viele Orte ganz tolle, aber oft versteckte Besonderheiten haben. Deshalb machen wir uns gemeinsam mit euch auf die Reise in die einzelnen Ortsteile des St. Wendeler Landes. Und da die Ortsvorsteher ihren Ort am besten kennen sollten, haben wir bei ihnen nachgefragt, warum sie so gerne in ihrem Ort leben. Den Auftakt macht heute der kleine Ort Eitzweiler in der Gemeinde Freisen.

Stellen Sie sich und Ihre Tätigkeit als Ortsvorsteher kurz vor.

Mein Name ist Gerald Linn, bin vor 57 Jahren in meinem Wohnhaus geboren, also ein Aborigines, verheiratet und bei der Deutschen Post beschäftigt. Ich bin Mitglied in unseren örtlichen Vereinen seit vielen Jahren und seit 36 Jahren in Eitzweiler als bisher dienstältester Kommunalpolitiker im Ortsrat tätig. 5 Mal hat mich der Eitzweiler Ortsrat zu seinem Vorsitzenden, also Ortsvorsteher, gewählt. Daneben gehöre ich seit 26 Jahren dem Gemeinderat der Großgemeinde Freisen an. Dort stehe ich seit 2014 der Mehrheitsfraktion vor und arbeite eng und ausgezeichnet mit unserem Bürgermeister Karl-Josef Scheer zusammen.

Ein Magazin hat mich vor einiger Zeit als „einen Ortsvorsteher mit Leib und Seele“ bezeichnet. Ich bin Nachfolger meines Vaters Ernst im Amt des Ortsvorstehers, der diese Position 29 Jahre lang von 1974 bis 2003 innehatte.

Ortsvorsteher zu sein ist eine verantwortungsvolle und vielseitige Tätigkeit. Ich sehe mich als Kümmerer um die Belange unserer Mitbürgerinnen und Bürger sowie Scharnier zur Gemeindeverwaltung. Erfahren, tatkräftig und kompetent – stark für Eitzweiler bezeichnen mich meine zahlreichen Mitstreiter auf dem bisher gemeinsamen, erfolgreichen Weg. 

Wir stellen in unserem mit sieben Mitgliedern besetzten Ortsrat ein gutes und tatkräftiges Team dar, setzen uns gemeinsam für die Interessen unserer Menschen im Dorf ein und bilden dort neben der Erfahrung älterer Mitglieder auch den Tatendrang junger Mitglieder ab. Guter Mix: Ältestes Mitglied ist 79 Jahre, jüngstes 23 Jahre.

Erzählen Sie ein wenig über die Geschichte von Eitzweiler:

Die Besiedlung der Gemarkung reicht in die Vor- und Frühgeschichte zurück. Neben keltischen Funden sind Siedlungsstellen, Gräber und eine Straße aus der Römerzeit belegt. Die Entstehung des Ortes liegt wie bei den meisten Weiler-Orten im Dunkeln, dürfte aber im 7. bis 8. Jhd. zu suchen sein. Der Ort ist urkundlich erstmals als Eytzwylre Ende des 14. Jahrhunderts belegt. Die Deutung des Namens besteht in der Verbindung des fränkischen Eigennamens Agizo oder Egizo mit der Orsendung –weiler.

Eitzweiler und das nahe gelegene Asweiler haben eine weitgehend gemeinsame Geschichte. Bis in das frühe 17. Jhd. hatten mehrere Adelsfamilien, darunter die Mohr von Sötern und die Herren von Ruppersberg, Recht und Besitz in Eitzweiler. Durch Erbschaften kam es zu Zersplitterungen. Schließlich kauften die Herzöge von Zweibrücken systematisch diese Anteile auf und vereinten sie durch einen Vertrag mit der Familie Vogt von Hunolstein ab dem Jahre 1609. Bis zur Französischen Revolution gehörte das Dorf fortan zum zweibrückischen Amt Nohfelden.

Mit dem Einzug der Französischen Revolution 1793 und der Neuordnung des Landes unter Napoleon kam Eitzweiler in die Mairie Walhausen des Kantons St. Wendel im Arrondissement Saarbrücken des Saardepartements. Mit dem Ende der französischen Periode gelangte Eitzweiler 1815 dann ins Fürstentum Birkenfeld, das zum Herzogtum Oldenburg gehörte. Verwaltungsmittelpunkt wurde nun wieder der Amtssitz Nohfelden.

In der Zeit der Naziherrschaft waren Asweiler und Eitzweiler zusammen gelegt. 1947 wurde Eitzweiler aus dem Kreis Birkenfeld ausgegliedert und dem Kreis St. Wendel in dem nach Autonomie strebenden Saarland zugeschlagen. Seit der Gebiets- und Verwaltungsreform im Saarland von 1974 gehört Eitzweiler nun zur Gemeinde Freisen.



Was macht Eitzweiler aus? 

Eitzweiler ist ein idyllischer Ort im Freisbachtal mit einem wunderschönen Wohncharakter, eingebettet in die reizvolle Landschaft des Naturparks Saar-Hunsrück. Die Fläche beträgt 4,48 km2, davon entfallen auf landwirtschaftliche Flächen 2,65 km2 und auf Waldfläche 1,23 km2. Die höchste Erhebung im Norden ist der Einell mit 521,1 m an der Grenze zu Wolfersweiler und Hahnweiler im Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz, im Süden ist der Rothsberg mit 520,6 m höchste Erhebung. Dort schließen die Gemarkungen von Asweiler, Freisen und Reitscheid aneinander. 

Unser Eitzweiler ist ein Ort, in dem es sich sehr gut leben lässt und der für die Zukunft gut aufgestellt ist. Unser Dorfleitbild ist die Erhaltung und Bewahrung des dörflichen Charakters. Wir sind stolz auf unsere landwirtschaftliche Vergangenheit und auf das, was unsere Vorfahren hinterlassen haben! Natur pur kann in und um Eitzweiler erlebt werden. Im Dorfwappen weist der goldene Eichenzweig auf die Lage an der Eichenlaubstraße hin. 

Ein Ziel ist die Erhaltung der Kulturlandschaft: Wir lieben die Natur – wir gehen sorgsam und nachhaltig damit um! Der mit etwas mehr als 200 Einwohnern kleinste Ort in der Gemeinde Freisen ist lebens- und liebenswert.

Gemeinschaft als Dorfaufgabe

Jung und Alt machen gut Gebrauch von unseren schönen, gut ausgebauten und ausgeschilderten Wanderwegen durch die Eitzweiler Gemarkung mit toller Weitsicht ins südliche Saarland auf der einen Seite und den Hunsrück auf der anderen Seite. Kurze und auch längere Wanderwege bieten sich an. Der Windpark auf Einell im Norden der Ortslage zählt zu den ältesten im Saarland und der Umgebung und zieht auch einige Besucher an.  

Die Dorf- und Vereinsgemeinschaft ist trotz fehlender Gaststätte, Post und Geschäfte intakt. Unsere Bürgerinnen und Bürger sind kommunikativ, beteiligen sich an vielen Aktivitäten und verstehen es, zu feiern, auch mit Gästen aus den Nachbardörfern. Die örtlichen Kommunikationsplätze wie Spiel- und Festplatz in der Etzwies (Treffpunkt und Wohlfühloase), Dorfplatz mit Brunnen an der Kuseler Straße (Lunge des Dorfes) und Brunnenplatz in der Eichenstraße (Ruhe- und Premiumzone) werden gerade im Sommer zahlreich wahrgenommen. Auch die von den Garten- und Naturfreunde mit viel Liebe gepflegte Streuobstwiese im Tanzsaal zieht immer wieder Wanderer und Spaziergänger an.

Das moderne Dorfgemeinschaftshaus (als kultureller und vereinsmäßiger Mittelpunkt das Herz des Dorfes), in dem früher bis 1970 die Kinder das ABC gelernt haben und das mit seinen verschieden großen Räumen sowie der Dorfstubb den Vereinen und Privatleuten dient, wird gerade im Winterhalbjahr stark in Anspruch genommen. Die Pflege heimatliche Bräuche finden gute Resonanz in der Bevölkerung. Daneben steht in Eitzweiler ein ortsbildprägendes Bauernhaus.

Wo ist es in Eitzweiler am Schönsten?

Es gibt im Dorf einige sehenswerte Plätze und Begegnungsstätten. In der Kuseler Straße liegt der kreisweit geschätzte Spiel- und Festplatz in der Etzwies. Am Ortseingang von Freisen kommend befindet sich ebenfalls in der Kuseler Straße ein Dorfplatz mit Brunnenanlage und Bücherfenster als Tauschbörse für Bücher. In der Eichenstraße liegt ein weiterer Kommunikations- und Premiumplatz mit Brunnen, eine Ruhezone mit Wasserspiel, Kinderschaukel, Sinnenbank und Sitzmöglichkeiten. Die Wasserstelle ist eine sanierte Notversorgung der ergiebigen Allerbachquelle.

Das Wanderwegenetz ist gut ausgebaut. In den Streuobstwiesen steht eine Schutzhütte, von der aus der Wanderer eine wunderschöne Aussicht genießen kann. Die tolle Aussicht gilt auch für die kleine Schutzhütte mit einer Sitzgruppe in der Gemarkung Thalbach an der Ortsgrenze zu Asweiler, der Holzhütte auf Einell und den Ruhebänken Auf Letzebösch und Obig Silberborn. Ein Feuchtbiotop an der Abzweigung nach Hahnweiler, ein Edelsteindorado auf der Gemarkung „Auf Hassel“ und zwei uralte Eichen, die als Naturdenkmäler gelten, komplettieren die Zahl der Sehenswürdigkeiten.

Was macht Eitzweiler für (neue) Einwohner attraktiv?

Beim Neujahrsempfang erhalten vor allem Neubürgerinnen und Neubürger die Gelegenheit, sich besser kennenzulernen. Das Begegnungsfest von Jung und Alt stellt den Höhepunkt des dörflichen Zusammenlebens dar. Verbunden mit diesem Tag für die ganze Familie findet der Alten-Ehrentag statt. Neben einem Meinungs- und Informationsaustausch steht auch die kulturelle Unterhaltung auf dem Programm.

Seit 2006 gibt es im Dorf ein sehr gutes Festnetz, den schnellen Zugang ins Internet via T-DSL. Mobilfunkmäßig werden wir vermutlich im nächsten Jahr an das „Hochgeschwindigkeitsnetz“ angeschlossen, damit wird die Versorgungslücke im bergigen Umfeld geschlossen.

Eitzweiler profitiert von guten Verkehrsanbindungen 

Das Dorf liegt an der Landstraße 315, die Teil der Eichenlaubstraße ist und von der Bundesstraße 41 als Zubringer zur Autobahn 62 dient. Somit liegt unser Ort sehr verkehrsgünstig. Viele Arbeitnehmer fahren beispielsweise drei Kilometer nach Freisen zur Hörmann KG, 9 km nach Schwarzerden zur DSL, ehemals IWS, oder 15 km nach St. Wendel zur Arbeit. 

Nachteil dieser Anbindung an die Autobahn ist die Verkehrsbelästigung der Anlieger der Kuseler Straße, der Hauptstraße durch das Dorf. Hier planen wir Überquerungshilfen an den Ortseingängen und der Ortsmitte und appellieren an die Umsicht der Autofahrer, langsam durch das Dorf zu fahren.

Die Bauplätze sind hier sehr günstig. Leider haben wir aktuell nur noch 1 freies Baugrundstück im Eigentum der Gemeinde. Klima und Vegetation sind gesundheitsfördernd. Kinder werden durch den naturnahen Spielplatz in der Etzwies und die abwechslungsreiche Natur angesprochen. Kindergarten und Schulen befinden sich wohnortnah in der Gemeinde. Viele berufstätige Bewohnerinnen und Bewohner können hier auf dem Land vom stressigen Arbeitsalltag etwas Abstand gewinnen und Ruhe genießen. 

Die älteren Menschen loben die tolle Natur, die Ruhe und Abgeschiedenheit. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln (Freisbachcenter in Freisen) und ärztlichen Leistungen in Freisen, Oberkirchen oder Nohfelden sind im direkten Umfeld herauszuheben. 

Daneben wird die Nachbarschaftshilfe sehr groß geschrieben, was man gerade während des Corona-Lockdowns im Frühjahr dieses Jahres wieder beeindruckend feststellen konnte. 

Was gibt es in Eitzweiler, was man sonst nirgendwo finden kann?

Hier kann ich Einiges benennen:

  • Die Menschen
  • Wunderschöne, idyllische Naturlandschaft
  • Seltene Ofenplatte von 1580 an einer Hausinnenwand
  • Replikat eines historischen Grenzsteins von 1731
  • Historische Schautafel als Visitenkarte des Dorfes und seiner Gemarkung
  • Römische Villa Rustica
  • Wüstung Laudesweiler Hof
  • Keltische Brandgräber

Was muss man über Eitzweiler unbedingt wissen?

Unsere Vereine, Organisationen und Gruppen sind gute Botschafter und wirkungsvolle Werbeträger für unseren kleinen Ort. Was sie das ganze Jahr vor der Corona-Pandemie über anbieten, kommt nicht nur den Einwohner zugute. Ihre Veranstaltungen locken auch zahlreiche Auswärtige nach Eitzweiler. Der Schützenverein „Gut Ziel“ lädt regelmäßig zu Festen und zum Königsschießen ein. Die Singgruppe veranstaltet Freundschafts- und Singfeste sowie Wanderungen und Ausflüge. 

Im Heimatverein wird die Dorfgeschichte aufgearbeitet. Regelmäßig erscheint der Heimatkalender sowie Fotoausstellungen mit wunderbaren Eindrücken von Dorf und Leuten von gestern und heute – ein Album des Dorflebens. Die Garten- und Naturfreunde organisieren Erntedankfeste und Kräuterwanderungen. Die Jagdgenossenschaft mit den fleißigen Jagdpächtern hegt und pflegt die Naturlandschaft. Immer wieder bereitet die Tanzgruppe Freude durch ihre Volkstänze und Auftritte. Vier Vereine betätigen sich ortsübergreifend mit Asweiler: die Arbeiterwohlfahrt, die Landfrauen, der Musikverein „Edelweiß“ und der Sportverein. 

Großes Engagement der „Eitzweilerer“

Viele Bürgerinnen und Bürger engagieren sich, wenn im Ort etwas zu tun ist. Ob auf dem Spiel- und Festplatz in der Etzwies, dem Dorfgemeinschaftshaus, den Brunnenplätzen, auf dem Friedhof, an Wanderwegen, beim Bau eines Bouleplatzes, bei bürgerschaftlichen Aktivitäten in der Natur, in den örtlichen Vereinen und so weiter. Das fiel schon positiv in die Waagschale in Wettbewerben „Unser Dorf hat Zukunft“. Wir haben in der Vergangenheit dabei, beim Wettbewerb „Unser Dorf hat viele Gesichter“ und auch bei der Umweltaktion Saarland Picobello Anerkennungen und Geldprämien erhalten, die wir für die Weitergestaltung im Ort eingesetzt haben.

Eitzweiler liegt an der ehemaligen Bahntrasse zwischen Türkismühle und Kusel über Schwarzerden. Hier entsteht gerade der Bahnradweg Sankt Wendeler Land. Die Initiative zum Freizeitweg wurde bei uns vor rund 20 Jahren entwickelt. Ich bin sehr froh, dass wir in der Vergangenheit so viele Mitstreiter für dieses Highlight im nördlichen Saarland gewinnen konnten. Ein Teil des Freizeitweges soll im Laufe des nächsten Jahres auf einer Länge von knapp 7 km zwischen Freisen und Wolfersweiler fertiggestellt werden. Für Eitzweiler kann diese Maßnahme neuen Aufschwung bedeuten. Wir freuen uns dann auf eine zahlreiche Nutzung.

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