Happy Birthday KuLanI !

Die Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land wurde 25 Jahre alt. Doch die große Geburtstagsparty blieb aus. 

„Im Landkreis St. Wendel ist man in einem gebenedeiten Umfeld unterwegs. Man ist gesegnet von einer herausragend schönen Naturlandschaft“, so schwärmt der saarländische Umweltminister Reinhold Jost vom St. Wendeler Land. Doch im Landkreis St. Wendel ruhte man sich nicht auf der Schönheit der Landschaft aus, es wurden touristische Highlights ausgebaut und geschaffen. Aber auch die kulturelle Entwicklung des Landkreises verlor man nicht aus den Augen. Egal ob es die landwirtschaftliche und handwerkliche Prägung ist, die jüdische Kultur oder die Kelten und Römer: Hier bekennt man sich zu den Kulturen. 

Diese Vielfalt bündelt sich seit über 25 Jahren in der Kuluturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land, besser bekannt als „KuLanI“. Am 2. September 1994 kamen 19 Vertreter von landschaftsnutzenden und naturschützenden Organisationen und Institutionen anlässlich der 3. Walhauser Köhlertage zusammen und unterschrieben eine Erklärung zum Erhalt der Kulturlandschaft im Landkreis St. Wendel. Diese Ehe, wie es Landrat Udo Recktenwald nennt, sind die Akteure eingegangen, um gemeinsam die Kulturlandschaft voranzubringen. Für den Mitgründer und heutigen Ehrenvorsitzenden Werner Feldkamp leistet die KuLanI dadurch einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raum. 



Vom Klimaschutz-Konzept, über Erinnerungsarbeit bis hin zu regionalen Nahversorgungs-Möglichkeiten. Durch die KuLanI wurden in den vergangenen Jahren einige wichtige Prozesse im Landkreis St. Wendel angestoßen. Dabei verfolgt die Initiative einen ebenso simplen wie genialen Arbeitsansatz. Das „KuLanI 3×3“. ES hat die drei wesentlichen Potenziale natürliche Ressourcen, kulturelles Erbe und örtliche Bevölkerung in Verbindung mit den drei Nachhaltigkeits-Zielsetzungen Ökonomie, Ökologie und Kultur im Mittelpunkt. So lassen sich entsprechend des umfassenden Ansatzes dort alle für die künftige Regionalentwicklung wesentlichen Themen einordnen. Außerdem wird so eine überschaubare Zahl und klare Gliederung an Handlungsprogrammen sichergestellt. Und drittens kann so die etablierte und damit für die regional bereits engagierten Akteure und Netzwerke nachvollziehbare, da gewohnte Struktur weitestgehend erhalten werden.

Doch auch wenn gemeinsames Reden manchmal hilft, mit finanziellen Mitteln kann man mehr erreichen. Seit 1997 profitiert der Landkreis St. Wendel von Mitteln aus dem europäischen Förderprogramm „LEADER“. Das Programm steht für die „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft und ist ein Maßnahmenprogramm bei dem seit 1991 in unterschiedlichen Förderphasen modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden. Neben LEADER-Förderungen ist man auch immer auf der Suche nach unterschiedlichen Fördermöglichkeiten von EU, Bund und Land. Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land und dem Landkreis verfestigt die KuLanI so die Regionalentwicklungsstruktur in der Region. 

Und darauf ist man auch in anderen Landkreisen und über das Saarland hinaus neidisch, wie Umweltminister Jost erzählt. Doch „Neid, den muss man sich erarbeiten und dieses Team hat ihn sich erarbeitet“, beschreibt es Landrat Udo Recktenwald. Im Blick hat er dabei vor allem den Gründer Werner Feldkamp, der mit großer Überzeugungskunst und Glaubwürdigkeit schon vor 25 Jahren den Fokus auf ein Thema lenkte, das damals noch kaum Beachtung fand. „Es war so, dass Anfang der 90er Franz-Josef Schumann Landrat wurde, Thomas Gebel, Amtsleiter wurde im Amt für Natur und Umweltschutz und Werner Feldkamp als Kreisnaturschutzbeauftragter weiterhin berufen war. Und aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit und den Ideen und dem Mut neue Wege zu gehen, entwickelte sich der informelle Zusammenschluss der Kulturlandschaftsinitiative.[…] Es war von Anfang an wichtig, Menschen zu haben, die den Mut haben neue Wege zu gehen, die eingetretene Pfade verlassen haben und die Chancen gesehen haben im ländlichen Raum.“ 

Und diese Menschen konnten was bewegen. Seit ihrer Gründung hat die KuLanI bereits 78 Projekte umgesetzt. Wenn man Thomas Gebel dann nach seinem Lieblingsprojekt fragt, ist die Antwort eher unbestimmt. „Anfangs war es der Lokalwarenmarkt, den ich am liebsten hatte, dazu kam auch noch das Energieprogramm. Aber am meisten begeistert mich jetzt das BildungsNetzwerk, weil wir es schaffen alle diese Themen an die jungen Menschen zu bringen. […] Also am Anfang war es der Lokalwarenmarkt, aber eigentlich jetzt alles!“ Bei Werner Feldkamp ist die Aussage da schon deutlich konkreter. Sein liebstes Projekt waren die lokalen Erzählungen. In Flyern wurde in wenigen Worten die Geschichte des Landkreises und der jeweiligen Gemeinden zusammengefasst, um das Bewusstsein für die kulturhistorischen Besonderheiten zu stärken und einen ersten Zugang zur Geschichte der Region zu bieten. 

Also umgesetzt wurde genug, da hätte man sich die Geburtstagsparty redlich verdient. Doch wer genau aufgepasst hat merkt, dass der 25. Geburtstag auch schon eine Zeit lang her wäre. Geplant war eine große Geburtstagsaktions-Reihe 2020, bei der alle Projektfelder wieder in den Blick genommen werden sollten. Die Gründe der Absage liegen jedoch auf der Hand. Aber einfach so älter werden ohne dass es jemand mitbekommt? Nicht mit der KuLanI. Man entschied sich also dafür ein kleines Buch herauszugeben mit Interviews, Projektvorstellungen, Ausblicken für die Zukunft und vielem mehr. (Die Bücher liegen in der Geschäftsstelle der KuLanI zum Mitnehmen aus) In dem Buch lässt man die vergangenen „25 und etwas mehr“ Jahre Revue passieren. 

Doch auch in Zukunft soll es mit der KuLanI noch viele spannende Projekte im Landkreis geben. Und vielleicht klappt es ja dieses Jahr an Erntedank den 25. Geburtstag, im Rahmen des Hoffests auf dem Wendelinushof, feiern zu können. Dank der vielen frischen Ideen sieht man der KuLanI ihr Alter nämlich noch gar nicht an. 

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