GemS Nohfelden-Türkismühle feiert 15 Jahre „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

Verena Hamm applaudiert den engagierten Schüler*innen der GemS Nohfelden Türkismühle (Foto: Jessica Weber)
Verena Hamm applaudiert den engagierten Schüler*innen der GemS Nohfelden Türkismühle (Foto: Jessica Weber)

Am Montag, 14.06.2021, feierte die Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle in der katholischen Kirche in Türkismühle das 15. Jubiläum ihres Titels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Das Besondere zu diesem Jubiläum: die Schule wurde mit der Hildegard-Hamm-Brücher-Medaille ausgezeichnet, eine Medaille, die für besonders hochwertige Konzepte im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Demokratisch Handeln“ verliehen wird. Die Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle ist die erste Schule, die den Preis ins Saarland geholt hat. Verena Hamm, die Tochter der Namensgeberin der Medaille, kam aus München angereist, um sie der Schule zu übergeben.

Herrliches Wetter, gutgelaunte Lehrer*innen und Schüler*innen sowie Gäste. Und zu Feiern gab es allen Grund: 15 Jahre „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und die Auszeichnung mit dem Hildegard-Hamm-Brücher-Preis. Damit beweist die Schule, dass sie sich seit Jahren tatkräftig gegen Ausgrenzung einsetzt und demokratisches Denken in den Mittelpunkt ihres Handelns stellt. Das lobte Roland Rixecker, Beauftragter für das jüdische Leben im Saarland und gegen Antisemitismus sowie Schirmherr der Feier.

Prof. Dr. Roland Rixecker, Beauftragter für das jüdische Leben im Saarland und gegen Antisemitismus (Foto: Jessica Weber

Das „Virus der menschenverachtenden Ausgrenzung und des Hasses“ erkennen

In seiner Ansprache betonte er, der Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus im Alltag, in den sozialen Netzwerken sei eine tägliche Aufgabe, deshalb sei es so wichtig, was die Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern in Türkismühle tun. „Wir müssen wissen: Sprache und Worte, das sind Waffen, die können Angst erzeugen, die können Menschen vertreiben, können verletzen, im schlimmsten Fall können Sprache und Worte auch töten.“ Gegen Rassismus und Antisemitismus anzutreten, mit Courage sei deshalb eine hervorragende Aufgabe unserer Gegenwart, gerade für junge Menschen. Zur Courage gehöre aber nicht nur die Gegenwart, sondern notwendigerweise auch die Vergangenheit, so Rixecker. „Weil wir wissen sollen und müssen, wie unsere Zukunft aussehen kann. (…) Und um das zu erfahren, müssen wir wissen, warum unseren Urgroßeltern und Großeltern das nicht gelungen ist. Was damals geschehen ist, warum es nicht gelungen ist. Und wie man erkennen kann, wenn das Virus der menschenverachtenden Ausgrenzung, des Hasses auf andere ausbrechen kann. Jeden Tag, einzeln, sich langsam anschleicht und immer mehr Menschen befällt.“ Courage heiße deshalb auch, sich zu erinnern, erläuterte Rixecker.

Gratulationen von Patin Annegret-Kramp-Karrenbauer, Bildungsministerin Christina Streichert-Clivot und Courage-Landeskoordinatorin, Christina Biehl

Auf Rixeckers Rede folgten Videobotschaften von Verteidigungsministerin Annegret Kram-Karrenbauer, Patin der Schule sowie der saarländischen Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot, die beide das Engagement der Schule lobten und zum Jubiläum wie zur Auszeichnung gratulierten.

Auch die Courage-Landeskoordinatorin, Christina Biehl, überbrachte ihre Glückwünsche an die Schüler*innen. Und bestätigte, sie haben den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nach wie vor verdient. „Ihr seht in Vielfalt eine Chance“, lobte sie die Schule.

Dr. Hildegard Hamm-Brücher

Verena Hamm, Tochter Hildegard Hamm-Brücher
Verena Hamm berichtet aus dem Leben ihrer Mutter Hildegard Hamm-Bücher (Foto: Jessica Weber)

Verena Hamm kam extra aus München angereist, um den Hildegard-Hamm-Brücher-Medaille persönlich zu überreichen. Sie berichtete aus dem Leben ihrer Mutter. Demnach musste Hamm-Brücher miterleben, wie ihre Großmutter unter den Nazis litt. Während des Zweiten Weltkrieges musste sie in ihrem eigenen Haus in den Keller ziehen. Ihr Haus wurde als sogenanntes Judenhaus bezeichnet, sie durfte keinen Kontakt mehr zu den Nachbarn haben. Als sie im Jahr 1942 ein Brief erreichte, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass sie in das Konzentrationslager Gerelienstaat muss, nahm sie sich das Leben. „Diese Erfahrung war sehr schrecklich für meine Mutter, aber sehr prägend und wegführend für ihr ganzes späteres Leben“, berichtete Hamm. Hamm-Brücher promovierte in Chemie, arbeitete als Journalistin und fand schließlich ihren Weg in die Politik. Von 1976 bis 1982 war sie Staatsministerin im Auswärtigen Amt. 1994 kandidierte sie für das Bundespräsidentenamt.

Zu ihrem gesellschaftlichen Engagement zählten unter anderem ihre Mitgliedschaft im Kuratorium am Jüdischen Zentrum München und ein Sitz im Vorstand des Fördervereins Demokratisch Handeln e. V..

Weshalb hat die Schule ihren Titel verdient?

Preisübergabe GemS Nohfelden-Türkismühle
Verena Hamm übergibt den Hildegard-Hamm-Brücher-Preis an die Schule

In Form einer „Sondernachrichtensendung“ fassten zwei Schüler zusammen, weshalb ihre Schule den Titel verdient hat. Zu den Gründen zählten sie unter anderem:

Soziales Engagement (Fair-Trade, Deckel gegen Polio)
AG-Arbeit (Tierschutz-AG, Stolperstein AG, AG Begegnungen – Inklusion leben)
Projektgruppe Courage und Toleranz
interreligiöses Lernen

Diese Beiträge von „Demokratisch Handeln“ wurden ausgezeichnet:

  • Jüdisches Leben in der Gemeinde Nohfelden: Aktive Erinnerungsarbeit der Stolperstein AG in der Gemeinde Nohfelden
  • AG Begegnungen – Inklusion leben: Kooperationsprojekt der Gemeinschaftsschule Türkismühle mit der Lebenshilfe, Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung. Das Ziel ist es, Interaktion, Sozialkompetenzen und das Miteinander zu fördern.
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