Gemeinsam in Frieden leben – Gelebte Realität oder Utopie?

So lautete der Titel des Seminars der Europäischen Akademie Otzenhausen, an dem drei Schülerinnen und Schüler des Oberstufengymnasiums der Dr.-Walter-Bruch-Schule St. Wendel eine Woche lang in den Sommerferien teilgenommen haben. Im ersten Moment hört sich dies interessant, jedoch auch ziemlich theoretisch an und wenn man sich dann im Vor-hinein den Wochenplan durchliest wird einem etwas bange, was man sich dafür eine Ferien-beschäftigung ausgesucht hat. Eine kostbare Woche der wohlverdienten Ferien einfach für Bildung verschwenden? Und dann auch noch mit Gewinnern des Europäischen Wettbe-werbs? Von dem man selbst zuvor noch nie gehört hat?! Und das nicht in der eigenen Mutter-sprache?

Doch der erste Eindruck nach der langen Reise (ganze 30 Minuten) war dann doch ein kom-plett anderer. An der Rezeption wurden alle freundlich begrüßt und den Zimmern zugeteilt, auf denen man daraufhin direkt einige andere Teilnehmer kennenlernte.

Bis alle Mitglieder vor Ort waren, konnte man die Umgebung begutachten. Die Akademie verfügt über einen Basketballplatz, einen Jugendraum (in dem noch so mancher lustige Abend verbracht wurde), einen Fitnessraum und sogar einen Pokéstop. Des Weiteren liegt direkt hinter dem Gelände der Nationalpark „Saar-Hunsrück“.

Zur Verpflegung gab es jeden Tag frisch zubereitetes und deliziöses Essen aus der hauseige-nen Kantine.

Damit keiner fremd blieb, spielten wir einige Kennenlern-Spiele. So wussten wir von Anfang an, wer wie hieß, das Alter der einzelnen Teilnehmer, ihre Hobbies, aus welcher der fünf teil-nehmenden Nationen sie stammen, …

Insgesamt gab es 32 neue Namen zu lernen, 29 davon waren Gleichgesinnte und drei gehör-ten den Teamern. Geleitet wurde das Seminar von Antje Brandt, die Hilfe von Aaron Fuchs und Johannes Gerste bekam.

Wenn es gerade nicht Zeit für das Seminar oder Essen war, wurden wir von Halef, einem weiteren lockeren Mitarbeiter „betreut“, wobei das zuvor befürchtete Gefühl ganz seine Wir-kung verlor. Denn die Teamer waren weder Lehrerfiguren und das Seminar keineswegs wie Schule aufgebaut – was nicht den Aspekt der Bildung ausschließt – noch war es ein Problem, dass wir nicht an dem Wettbewerb teilgenommen haben oder in Englisch kommunizierten.

Um die anderen Länder besser kennenzulernen, veranstalteten wir am zweiten Abend eine Präsentationsrunde, in der wir unsere eigene Nationen sowie uns selbst vorstellen konnten. Hier lernten wir zum Beispiel, dass es in Griechenland üblich ist, neben Athen, Thessaloniki als die zweite Hauptstadt zu bezeichnen oder Schritte des polnischen Tanzes Polonaise.

Das Thema des Seminars arbeiteten wir immer gemeinsam auf. Dafür wurden wir jeden Tag, oft auch mehrmals, in verschiedene Gruppen aufgeteilt.

Eine Erfahrung, die wir mithilfe eines Rollenspieles gewonnen haben, bleibt wohl mit etwas Verzweiflung in unseren Köpfen hängen. Wir, in unseren Gruppen, wurden einzelnen fiktiven Nationen zugeordnet. Der Seminarraum wurde von den Teamern abgedunkelt und so vorbe-reitet, dass wir uns leicht in unsere Rollen hineinversetzen konnten. Durch die Lautsprecher waren eigenartige Geräusche zu hören: Metall, das verbogen wird und das Rauschen von Radios sowie Sirenen und Schreie. Die Tische und Stühle lagen umgeschmissen am Boden. Wir mussten unser Land finden, welches durch Klebeband abgegrenzt war. In unserem Ge-biet lag ein Zettel, auf welchem die Regeln des Spieles erklärt wurden. Wir befanden uns in einer Nachkriegssituation. Die umgefallenen Tische und Stühle symbolisierten unser zusam-mengebrochenes System. Jede Nation besaß unterschiedliche Utensilien, welche helfen soll-ten unsere einzelnen Gesellschaften wieder aufzubauen. So durften wir unsere Tische nur wieder aufstellen, wenn wir Handschuhe trugen oder die Stühle nur mit Besitz von Schutzbril-len. Die Wasserversorgung wurde mit einem gefüllten Glas Wasser wieder hergestellt und die des Stromes durch eine brennende Kerze. Unsere durch die „Angriffe“ zerstörten Häuser konnten wir nur mithilfe von Klebestreifen wieder aufbauen und, um die Fahne wieder hissen zu können, benötigten wir einen Fahnenmast. Da keines der Länder über alle Utensilien ver-fügte, musste schnell gehandelt werden. Handeln in erster Linie durch das Beschaffen von Reisepässen, denn es konnte immer nur ein Bewohner das eigene Land verlassen. Und Han-deln in zweiter Linie, um alle Utensilien, die wir benötigten, auszutauschen. Das Rollenspiel bürgte einige Schwierigkeiten, die wir nach Abschluss des Spieles gemeinsam besprachen. Zu Beginn war Geduld gefragt, denn es dauerte eine Weile bis die Nation, die von Anfang an über die Reisepässe verfügte, alle weiteren Länder damit ausstatten konnte und die Pässe genehmigt wurden. Dazu kommt, dass einigen Einwohnern nicht klar war, welche Werkzeuge benötigt wurden und ob Geld in unserer Lage überhaupt einen Wert hat. Die Informationen der Tauschgeschäfte, die unsere Ausgesandten vereinbart hatten, kamen zum Teil nicht oder etwas verspätet an, wodurch Unklarheit über unsere Befugnisse und Hilfsbereitschaft auf-kam. Dennoch wurde die Aufgabe von jeder Nation gelöst. Was jedoch interessant bleibt, ist die Tatsache, dass wir bis zum Aufstieg der eigenen Nation nur unseren eigenen Vorteil vor Augen hatten. Doch als das Heimatland wieder voll entwickelt war, kam die Frage auf, wie wir nun den anderen mit vollen Kräften helfen könnten, welche wir später erörterten.

Ein wichtiger Aspekt war in der Tat die Kommunikation zwischen den einzelnen Nationen. Uns wurden die üblichen Begrüßungen aus allen teilnehmenden Ländern beigebracht sowie wir unseren Namen nennen können. In den Pausen oder in unserer Freizeit konnten wir unse-re Sprachkenntnisse weiter ausbauen. Als es dann aber zu den Zungenbrechern kam, waren viele überfordert und wir amüsierten uns über unsere eigene Fehler.

Im Endeffekt kann man jedoch aller Befürchtung zum Trotz schließen, dass dieses Seminar eine willkommene Abwechslung zum Ferienalltag und eine interessante Grundlage für neue Freundschaften war. Die gesammelten Eindrücke werden im weiteren Leben wohl noch sehr von Nützen sein.

Text und Foto: Luisa Woll, Schülerin der Dr.-Walter-Bruch-Schule St. Wendel

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