„Frauen im Wandel“ in der Galerie Bosener Mühle

Eintreten, der Blick frei und geweitet über zwei Etagen,- durch eingelassene Glasflächen im Obergeschoss- prachtvolle Farbigkeit, expressiver Ausdruck, ein Reich mit Frauensilhouetten angefüllt, die tanzend, in Prozessionen vorüberziehend, innehaltend, den lebendigen Reichtum der Frau in ihrem Selbstwerdungs-Prozess, sinnlich -bildlich- spürbar zeigen.

In all dieser Farbigkeit eine schwarzgekleidete, blondhaarige, vor Vitalität sprühende Frau: Maria Josefine. Sie erzählt von ihrem Leben- als älteste Tochter saarländischer Bauern, wo es viel Arbeit gab. Bodenständigkeit, Sinn für Dekoration und Raumästhetik, Gestaltung und handwerkliche Fähigkeiten zeigten sich schon früh. Doch bevor Maria Josefine Mutter, Keramikerin, Galeristin und schließlich Malerin wurde, lernte sie Hebamme. Frauen auf ihrem Weg empathisch zu begleiten, das Wunder der Geburt fürsorglich zu betreuen, dies war zunächst ihr größtes Ziel. Wie das innere Leben im Frausein durch alle Schichten, alle Beziehungen, alle Rollen in der Kunst Ausdruck findet, dies war nach ihrer Familiengründung und der Einrichtung von zwei Kunstgalerien in Bruchsal und Karlsruhe ihr größtes Anliegen. Vom Frühjahr bis zum einbrechenden Winter lebt und arbeitet Maria Josefine mit ihrem Lebensgefährten in einem Bergdorf in Korsika. Umgeben von Wäldern, Macchia, Ruinen und terassierten Gärten, die sie als Selbstversorger angelegt haben, konzentriert sich Maria in dieser archaischen Umgebung auf ihr Lebensthema.

Bemalte Ruinen-Fundstücke, die sie zusammenfügt und mit Ölfarbe tränkt sind neben anderen symbolischen Attributen ihres Weges überall in der Ausstellung zu sehen. Handtaschen spielen als Lebensbegleiter der Frau eine große Rolle. Birgt nicht auch eine Frauentasche ein geheimes Innenleben? Ist sie nicht selbst eine vollendete plastische Form? Der Wille, das Echte, Unmittelbare, Kraftvolle im Wesen des Weiblichen aufzuspüren zeigt sich in spontanen Prozessen, die von keinem Klischee eingeschränkt werden. Kratzen, spachteln, fühlen, zerreißen und wieder heilemachen gehören genauso zu ihrem Weg wie der Wille, das persönliche Erleben nur als Tor zu einem Größeren zu begreifen: Ihre Frauen sind ohne Gesicht und nur durch wenige Konturen gekennzeichnet, ihre Bilder titellos: Jeder kann sich darin wiederfinden. In der Galerie Bosener Mühle dominiert ein Akkord von starken Rottönen das obere Stockwerk- daneben lädt, wie in einem Stilleraum, ein eher innerlich gewordenes Farbspektrum zum Ausruhen und Nachsinnen ein. Beim Heraustreten genießt Maria Josefine die frische Herbstluft, atmet tief ein und findet, dies sei so heimatlich wie in Korsika: Ein saarländisch-korsisches Künstler-Urgestein!

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