Französische Erinnerungen im Sankt Wendeler Land

Spuren, die deutlich von der französischen Vergangenheit sprechen, sind im Sankt Wendeler Land erst auf dem zweiten Blick zu erkennen. Die idyllische Natur am Bostalsee sowie die beständigen Orte zeugen kaum von der ruhelosen Geschichte des Gebietes. Doch das Sankt Wendeler Land grenzt als ein Teil des Bundeslandes Saarland an Frankreich und hat die unstete Geschichte an der deutsch-französischen Grenze am eigenen Leib erlebt. Beide Seiten haben sich gegenseitig beeinflusst und ihre Spuren an den jeweiligen angrenzenden Orten hinterlassen. Im Saargebiet sowie auch im Sankt Wendeler Land findet man bis heute noch Spuren der französischen Vergangenheit, die bis heute erhalten geblieben sind.

Photo by Cold chardonnay, CC BY 3.0

Kurze Geschichte der deutsch-französischen Grenze

Die deutsch-französische Grenze erlebte im Laufe der Zeit zahlreiche Verschiebungen und beeinflusste damit das Leben der Bevölkerung im Saarland. Saarbrücken als Grafschaft existierte bereits seit dem elften Jahrhundert und erlebte durch die Nähe den regelmäßigen Austausch mit der französischen Kultur. Die erste zeitnahe Grenzverschiebung fand im 17. Jahrhundert statt. Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV., der bekannt für seinen absolutistischen Herrschaftsstil und seine ausschweifende Lebensweise war, gliederte das Land an der Saar für 17 Jahre an die französischen Gebiete. Diese Jahre gestalteten sich für St. Wendel als schwierig, da das Gebiet unter den rigorosen Plänen des Monarchen zu leiden hatte. Hundert Jahre später folgte ihm Napoleon Bonaparte. Er war gleichzeitig ein General und genialer Stratege, der taktische Züge auf Brettspielen testete und diese dann auf dem Schlachtfeld einsetzte. Der Erfolg Napoleons als Stratege brachte ihm zahlreiche Gebietszugewinne. So wurde auch das Département de la Sarre an der deutschen Grenze gegründet. St. Wendel wurde ein Teil dieses Gebietes und dehnte sich zu dieser Zeit demographisch sowie finanziell aus. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde dann das Saargebiet an deutsche Grafschaften aufgeteilt. St. Wendel wurde an das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld überreicht. Im 20. Jahrhundert folgten erneut zwei Versuche Frankreichs, das Saargebiet unter den eigenen Einfluss zu bringen, was endgültig mit der Volksbefragung im Jahre 1955 zugunsten Deutschlands gelöst wurde.

Photo by MyName, Public Domain

Französische Spuren im Sankt Wendeler Land

Die deutsch-französische Vergangenheit hat ihre Spuren im Sankt Wendeler Land und seiner Umgebung hinterlassen. Der Schaumbergturm in Tholey ist ein solches Beispiel. Der Aussichtsturm, der 1930 fertiggestellt wurde, gilt als ein Symbol der deutsch-französischen Freundschaft. Die Besucher können im Inneren verschiedene Ausstellungen bewundern und von der Spitze des Turmes die wunderschöne  Aussicht über das Saarland bis zum Pfälzer Wald, den Vogesen und dem Hunsrück genießen. Interessant ist auch die Geschichte des Hofgutes Imsbach in Theley. Napoleon Bonaparte schenkte das Anwesen dem Reiteroffizier Colonel Lapointe, unter dem es eine wahre Blütezeit erlebte. Bis 1930 blieb das Gut in  Besitz der französischen Familie. Die Gräber der Familie befinden sich heute noch in der Nähe des Hofgutes.

Neben diesen kleinen Erinnerungen an die französische Vergangenheit, wird das Sankt Wendeler Land auch von größeren Projekten im Saargebiet beeinflusst. Eines davon ist der langfristige Plan, Saarland in ein zweisprachiges Bundesland umzuwandeln. Neben der deutschen Sprache, soll sich Französisch als zweite Verkehrs- und Umgangssprache etablieren und so langfristig die Tür Deutschlands zu Frankreich werden.

 

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