Flotter Rentner – Wir stellen euch den wohl coolsten Opa im St. Wendeler Land vor

Einsamkeit im Alter kann vielerlei Ursachen haben. Insbesondere wenn der langjährige Ehepartner stirbt, ist das Risiko sozialen Rückzugs deutlich erhöht. In unserem heutigen Interview zeigt Rentner Francois aus Namborn, wie man das Leben auch im hohen Alter in vollen Zügen genießen kann.

Francois, du bist ein Vorzeigebeispiel dafür, wie man sich das Leben auch im hohen Alter richtig schön machen kann. Was möchtest du unseren Leserinnen und Lesern über dich erzählen?

„Mein Name ist Francois Kessler, ich komme ursprünglich aus Straßbourg, wohne nun aber seit vielen Jahren im St. Wendeler Land und werde im Januar 87 Jahre alt. Das Alter ist nur eine Zahl, ich fühle mich agil und fit und darüber bin ich sehr glücklich. Mein Spitzname ist Frosti, der Alleskönner (lacht). Mit 14 Jahren absolvierte ich eine Schreinerlehre, später war ich lange als Fernfahrer tätig. Als  ich 1963 meine Frau in Saarbrücken kennenlernte, kam ich ins Saarland und wir bekamen zwei wunderbare Kinder. Mitte der Siebziger Jahre erhielt ich beruflich eine neue Chance und war bis zu meiner Rente Baumaschinenführer. Vor drei Jahren ist meine Frau leider verstorben, trotzdem lasse ich den Kopf nicht hängen. Ich bin ein lustiges Kerlchen, sehr positiv eingestellt, sportlich aktiv und außerdem auch sehr kreativ. Ich freue mich über jeden neuen Tag.“

Francois, du versprühst Optimismus und pure Lebensfreude-das ist keine Selbstverständlichkeit. Kompliment!  Erzähl uns doch mal warum du „der Alleskönner“ genannt wirst?

„Ich bin ein Tüftler. Wenn jemand aus der Familie oder dem Bekanntenkreis einen kaputten Gegenstand hat, kommt er zu mir. Geht nicht, gibt’s nicht. Ich repariere alles- angefangen bei allen möglichen elektronischen Geräten, über Schmuck bis hin zu sämtlichen Mängeln an Fahrzeugen. Mein Haus habe ich, inklusive vieler Mobiliarstücke, mit der Hilfe von Freunden und Familie natürlich selbst gebaut. Ich hatte schon immer ein großes Interesse an Technik und will auch heute noch alles selbst machen. Ich bin froh, dass ich so selbstständig sein kann und mich noch kümmern kann. “



Francois, wenn du nicht gerade dabei bist, etwas zu reparieren- womit verbringst du deine Freizeit sonst noch?

„Mein Lieblingshobby ist das Zocken von Videospielen. Momentan spiele ich Asassin´s Creed. Ich habe aber auch schon Hitman, Grand Theft Auto, Farcry und vieles mehr gezockt. Außerdem fotografiere ich gerne und sammele Mineralien. Früher war ich oft auf Mineralienbörsen, habe Mineralien verarbeitet und Schmuck kreiert. Das  Kochen und Backen liegt mir ebenso. Auch das Arbeiten „am Bau“ macht mir großen Spaß. Im letzten Jahr habe ich mit meinem Sohn und meinem Enkel einen Teil des Hauses  inklusive gipsen, verputzen und allem, was dazugehört, renoviert. Ansonsten vertreibe ich mir die  Zeit oft mit Tik Tok und Youtube und schaue Spaßvideos und Bauanleitungen an. Weiterhin bin ich auch noch ein Sportliebhaber. Ich bin Jahrzehnte lang Rennrad gefahren und in diesem Jahr habe ich mir ein E-Bike zugelegt. Damit fahre ich mit der Familie schöne Touren im St. Wendeler Land. Zuletzt bin ich auch noch ehrenamtlich bei einem gemeinnützigen Verein tätig. Ich war schon im Seniorenheim singen, als Fotograf auf den Vereinsveranstaltungen und sogar als Kampagnenmodel aktiv. Ich habe nie Langeweile.“

Opa Frosti beim Backen

Wahnsinn, wie aktiv du bist. Wie sieht deine typische Tagesstruktur aus?

„Ich schlafe bis mindestens neun Uhr morgens aus, dann mache ich mich frisch. Im Anschluss starte ich mit meinen täglichen Übungen fit in den Tag. Zuerst Liegestütze, dann Kniebeugen und zum Abschluss noch ein paar Dehnübungen. Dann kann das ausgiebige Frühstück beginnen. Anschließend kümmere ich mich um den Haushalt und danach wird gezockt. Abends koche ich mit meinen Mitbewohnern, meinem Enkel und seiner Freundin, manchmal auch mit deren jungem Freundeskreis und der ganzen Familie. Ich bin ein offener Mensch und genieße die Gesellschaft. Wir plaudern, spielen und haben viel Spaß zusammen. Es ist immer was los: Auswärts essen gehen, Radtouren, Spazieren,  Kinobesuche, ich mache alles mit und bin gerne dabei. Es ist einfach schön.“

Hut ab, vor so viel Aktivität. Du bist ein richtiges Stehaufmännchen.
Du hast angesprochen, dass deine Frau vor drei Jahren verstorben ist- wie schaffst du es auch ohne sie glücklich  weiterzuleben?

Als ich meine Frau verloren habe, war  das wohl mit das Schlimmste, was mir in meinem Leben passiert ist. Wir beide haben alles zusammen gemeistert, sind durch dick und dünn gegangen und dann ist dieser geliebte Mensch plötzlich einfach nicht mehr da- das ist kaum zu begreifen.

Meine Familie ist mein Anker, mein Halt, mein Fels. Hätte ich meine Kinder und Enkelkinder nicht, wäre ich sicher um ein Vielfaches trauriger und demotivierter. Sie waren für mich da und haben mir beigestanden. Hätte ich diese Stütze nicht gehabt, würde es mir heute sicher anders gehen. Auch wenn meine Frau mir unendlich fehlt,  ist sie in meinem Herzen immer bei mir. Ich habe viel Elan und möchte noch so viel erleben. Meine Liebsten halten  mich jung und fit und dafür bin ich unendlich dankbar. Ich kann es gut nachvollziehen, dass viele ältere Menschen, die alleine leben, den Lebenswillen verlieren, weil sie kaum jemand oder sogar gar keine Menschen mehr um sich herum haben, die sich für sie interessieren und sich um sie sorgen.“

Was wäre dein Ratschlag an ältere Menschen, die alleine leben und nur noch wenig Kontakt zu Familie oder Freunden haben?

„Ich spreche euch mal direkt an: Ihr dürft den Kopf nicht hängen lassen und euch selbst nicht aufgeben. Natürlich braucht ihr nach so einem schlimmen Schicksalsschlag, wie etwa dem Tod eures Ehepartners, Zeit um das Ganze zu verdauen, aber ihr müsst dennoch Stück für Stück nach vorne schauen. Jeder Mensch braucht eine Aufgabe, sonst fühlt ihr euch überflüssig. Wenn ihr nur zu Hause sitzt und den ganzen Tag Fernsehen schaut,  ist es nicht verwunderlich, dass ihr auf kurz oder lang deprimiert seid. Sucht euch Beschäftigung und Hobbys. Seid  kreativ und bewegt euch (so gut es geht).  Bewegung ist das A und O, auch im hohen Alter. Ob Spazieren in der Natur, leichte Gymnastik zu Hause oder das Besuchen von Gruppenkursen, ihr findet sicher etwas, das euch gefällt. Übrigens: Das Projekt „Paten mit Herz“ ist speziell für alleinstehende Senioren gedacht und ermöglicht eine kostenfreie wöchentliche Betreuung durch Ehrenamtliche aus der Region.“

Francois- wie stehst du zum Thema „Tod“?

„Ich mache mir gar keine Gedanken darüber. Ich habe schon viel erlebt und ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich fühle mich fit und glücklich. Der Tod gehört zum Leben dazu. Ich schaue eher auf all die schönen Dinge, die noch auf mich zukommen.“

Welche Lebensereignisse haben dich im positiven und negativen Sinne am meisten geprägt?

„In jungen Jahren hatte ich in Frankreich einen schweren Unfall mit dem Motorrad, an dessen Folgen ich um Haaresbreite gestorben wäre. Ich hatte einen Zaunpfosten im Bauch stecken. Nach der Operation ging es mir immer schlechter, ich konnte nicht mehr sprechen, nahm aber eingeschränkt noch alles um mich herum wahr. Ich wurde schon für tot erklärt, zugedeckt und beinahe lebendig begraben. Es klingt wie im Film, bei der Operation wurde OP-Besteck in mir „vergessen“. Es war verrückt, ich hatte einen Schutzengel, als man bemerkte, dass ich noch lebte.

Das Schönste in meinem Leben war, als ich meine Frau beim Hähnchenessen kennenlernte und unsere Köpfe zusammenstießen, als wir beide gleichzeitig meine Gabel vom Boden aufheben wollten.  Es funkte sofort zwischen uns, wir verliebten uns auf der Stelle und waren von da an nicht mehr zu trennen. Meine Auswanderungspläne nach Kolumbien konnte ich von da an at acta legen. Wir hatten 54 wundervolle Jahre, wir waren ein gutes Team. “

Das waren wirklich filmreife Szenen – beängstigend und rührend. Francois, zum Abschluss:  Was ist das Wichtigste im Leben? Familie und Gesundheit haben Priorität. Erfüllt euch eure Träume, denn ihr habt nur dieses eine Leben. Ich wünsche euch Alles Gute!“

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