Weihnachtstraktoren

Ein Funken Hoffnung – neun km langer Lichterzug durchs Ahrtal

Der Lichterzug durchs Ahrtal (Foto: Michael Josef Schmitt)

Unter dem Motto „Ein Funken Hoffnung“ waren um Nikolaustag mehrere „Lichterzüge“ bestehend aus bis zu 35 weihnachtlich geschmückten Traktoren im St. Wendeler Land unterwegs, um Weihnachtsstimmung zu verbreiten und den Menschen in dieser schwierigen Zeit ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Auch im Ahrtal gab es einen solchen Weihnachtskonvoi, bei dem auch Ehrenamtliche aus dem St. Wendeler Land mitgemacht haben. Ein bis zu neun Kilometer langer Lichterzug versprühte dabei mehr als nur einen Funken Hoffnung. Michael Josef Schmitt aus Namborn war vor Ort. Er berichtet von rund 1.700 Fahrzeugen, die die Augen der Bewohner zum Leuchten gebracht haben.

Die Häuser im Ahrtal sind nach dem katastrophalen Jahrhunderthochwasser im Juli noch immer in einem fast unbewohnbaren Zustand. Die Erdgeschosse von den Gebäuden, die nicht völlig zerstört wurden, seien seitdem wie im Rohbauzustand, erzählt Michael Josef Schmitt gegenüber wndn.de. Seit dem letzten Interview mit ihm vor ca. einem Monat hat sich nicht viel geändert – außer der Außentemperaturen. Familien bewohnen teilweise nur ein Zimmer ihres Hauses. Diese seien mit einer Elektroheizung ausgestattet, damit man wenigstens dort nicht frieren muss. Die Stromversorgung allerdings sei noch nicht stabil und zuverlässig. Das Wasser aus den Leitungen in den Häusern sei ungenießbar, da es entweder verschmutzt oder sehr stark gechlort sei. Man kann sich damit nicht mal die Zähne putzen“, erzäht Schmitt. Zum Duschen stehe den Bewohnern ein zentraler Duschcontainer zur Verfügung. Für manche sei dieser bis zu 100 Metern entfernt. Unvorstellbare Zustände.

Aber es geht weiter. In vielen Häusern sind Trocknungsgeräte im Einsatz. Im nächsten Frühjahr soll der Wiederaufbau der Gebäude Fahrt aufnehmen. Bis dahin heißt es: abwarten. Momentan kann wegen der Witterung nicht viel mehr getan werden.

Aber dass die Betroffenen nicht in Vergessenheit geraten sind, das zeigten ihnen am Samstag, 04.12.2021, über 2.500 Ehrenamtliche. Sie organisierten einen Konvoi aus rund 1.700 weihnachtlich geschmückten landwirtschaftlichen Fahrzeugen, der durch das Ahrtal fuhr. „Es war ein unglaublich toller Anblick“, erzählt Schmitt. „Die Bewohner waren mehr als gerührt, durch diese Aktion wurde mehr als nur ein Funken Hoffnung versprüht – es war ein Vollbrand“, erinnert sich Schmitt. Er war selbst kurz nach der Katastrophe als ehrenamtlicher Helfer im Ahrtal tätig. Und von da an ist er regelmäßig, fast jedes Wochenende alleine oder in selbst organisierten Teams rübergefahren, um zu helfen.

Die Weihnachtsaktion habe Hoffnung darauf gemacht, dass alles wieder gut werde und gezeigt, dass noch ganze viele Menschen für die Betroffenen da seien. Immer noch ist Schmitt fassungslos über die Katastrophe, was sie angerichtet hat und was die Menschen, die sie überlebt haben, heute noch durchmachen müssen.

Sein dringender Appell an alle: „Wir dürfen die Menschen im Ahrtal nicht vergessen! Sobald es wieder wärmer wird und das Wetter es zulässt, werden dort Helfer benötigt.“ Handwerklich geschickte Menschen, Maler, Verputzer, Elektriker und viele mehr werden im nächsten Frühjahr gebraucht. Im Live-Talk mit wndn.de wird Michael Josef Schmitt persönlich über seine Erfahrungen im Ahrtal, die aktuelle Lage und die Pläne für den Wideraufbau sprechen. Der Termin wird noch bekanntgegeben.

(Fotos: Michael Josef Schmitt)

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