Das gibts nur bei uns auf dem Land… Heute: Das „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt“-Prinzip

„Sag mal hast du einen 40er Bohrer für durch eine 22er Betonwand?“ „Nä, aber ich frag mal meinen Nachbarn, dem sein Bruder schafft aufm Bau“

Wer kennt es nicht?! Egal ob es jetzt Werkzeuge, Kochrezepte oder Immobilien sind. Es gibt nichts, was man nicht durch das „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt“-Prinzip beschaffen kann. Man muss nur den Richtigen danach fragen. 

Job gesucht? Der Onkel vom Schulkamerad braucht gerade jemanden mit genau den Qualifikationen! Auf Wohnungssuche? Bei der Cousine der einen aus dem Theaterverein sind gerade die Mieter ausgezogen! 

So wie es heißt, dass man nicht alles wissen muss, sondern nur wissen muss, wo man es nachlesen kann, könnte es auf dem Dorf heißen, dass man nicht alles besitzen muss, sondern nur wissen muss, wen man fragen kann. Oder eben wen man fragt, der dann jemanden anders fragen kann. 



Während man in Städten eine Bohrmaschine beim Baumarkt für 10€ leihen kann, fragt man hier eben notfalls den Nachbarn. Die Bohrmaschine bekommt man dann selbstverständlich kostenlos. Wenn gerade Kuchen gebacken wurde, sitzt man außerdem gleich mit am Kaffeetisch, erzählt wo man herkommt, wer die Großeltern sind und bohrt sein Loch eben 3 Stunden später…

Vor allem beim Bauen wird das „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt“-Prinzip bis aufs Höchste perfektioniert. Vermutlich würde im Landkreis nicht die Hälfte aller Gartenhäuser, Garagen, Schuppen und Ähnlichem stehen, wenn man niemanden kennen würde. Egal ob Facharbeiter fürs Mauern, Werkzeuge, Fachmeinungen oder helfende Hände gesucht werden, gefunden wird auf dem Dorf alles und jeder. Besonders wenn man jemanden kennt, der entweder „uf da Grub oder bei de Hitt“ gearbeitet hat, findet man so ziemlich alles. Bezahlt mit einem Bier und einem Schwenker und der Gewissheit, dass man selbst auch aushilft, sobald man gefragt wird. 

Aber nicht nur am Bau wird das Phänomen genutzt. Vermutlich hat jeder als Kind irgendetwas gehabt, was vorher für ein anderes Kind im Dorf gekauft wurde. Genauso, wie in jedem guten Haushalt ein Rezept existiert, dass man auf der Gartenparty des Nachbarn von dessen Großtante bekam. 

So wird nicht nur Wissen vermittelt, oder Werkzeug verliehen, sondern es werden auch wichtige soziale Kontakte geknüpft, die das Dorfleben sehr liebenswert machen.

Schwierig wird das „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt“-Prinzip eigentlich nur wenn man Single ist und die Enkelin der Roméefreundin von Oma gerade von ihrem Freund verlassen wurde. Denn auch die dörfliche Partnervermittlungsagentur „Erna und Kolleginnen“ macht von diesem Prinzip äußerst gerne gebrauch. 

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