WFG-Wirtschaftskolumne

Corona-Krise führte zu Halbleitermangel – Wie wir das zu spüren bekommen

Symbolbild
Julian Schneider Wirtschaftskolumne
Kolumnist: Julian Schneider, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH

Was haben Holz, Stahl, Kunststoffe und Halbleiter gemeinsam?

Aktuell werden diese Materialien von Unternehmen gesucht wie die Nadel im Heuhaufen.

  • Ein Zimmermann hat zwar volle Auftragsbücher, aber kein Holz für den Ausbau eines Dachstuhls.
  • Der Wirtschaftsprüfer stellt drei neue Mitarbeiter ein, deren Laptoplieferung zwei Monate zu spät ankommt.
  • Der Metallbauer klagt über unzureichende Stahllieferungen, ohne die er seine Kundenwünsche nicht erfüllen kann.

Sind die Materialien dann doch verfügbar, werden teilweise extreme Preise dafür verlangt.

Entsprechend einer Untersuchung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) beklagen aktuell 83 Prozent der deutschen Unternehmen Lieferengpässe. War doch in der Corona-Krise ein erster Kraftakt geschafft und ein erstes Aufatmen möglich, sprang die nächste Herausforderung gleich mit der Tür ins Haus:

Die Rede ist vom anhaltenden Rohstoffmangel und deren horrende Preisanstiege. Beide Faktoren treffen auch auf die sogenannten Halbleiter bzw. Mikrochips zu.

Doch von vorne: Was verbirgt sich hinter den sogenannten Halbleiter?

Bei dem Begriff Halbleiter muss man sich zunächst gedanklich von dem langen Gegenstand mit den Sprossen verabschieden, den man auf- und absteigt. Vielmehr steht bei den Halbleitern das Verb „Leiten“ im Fokus. Halbleiter sind Festkörper bzw. feste Stoffe, die sowohl über Eigenschaften eines Isolators/Nicht-Leiters verfügen (z. B. Glas, Porzellan) als auch über Eigenschaften eines elektrischen Leiters (z. B. Kupfer).

Simpel gesprochen können Halbleiter also Strom unter bestimmten Bedingungen von A nach B übertragen. Je höher die Temperatur, desto größer die elektrische Leitfähigkeit der Halbleiter.

Damit genug der Details, den Rest würde man ohnehin wieder vergessen.

Interessanter ist das Einsatzgebiet von Halbleitern:

Sie werden in nahezu allen Produkten benötigt, bei denen Elektronik im Spiel ist. Egal ob Autos, Computer, Tablets, Smartphones, Kühlschränke, Kaffeemaschinen, PV-Anlagen, Fernseher, u.v.m. – sie alle haben heutzutage Halbleiter integriert (kleiner Tipp am Rande: Wenn Sie elektronische Weihnachtsgeschenke benötigen, sollten Sie diese im besten Fall frühzeitig bestellen). Man kann sich also vorstellen was passiert, wenn es zu einem Engpass bei diesen Halbleitern kommt. Viele Unternehmen können den Bedarfen ihrer Kunden nicht mehr gerecht werden und wenn, dann nur noch verzögert.

Denkt man nun über einen Lösungsansatz nach, erscheint dieser auf den ersten Blick sehr simpel: Eigentlich müsste doch nur zusätzlich produziert werden, ein Markt wäre schließlich vorhanden.

Leider ist es nicht so einfach, denn die Halbleiter- und Chipkrise hat viele Gesichter:

Nicht nur die Corona-Krise hat den Mangel verstärkt, auch der Wirtschaftskonflikt zwischen den USA und China. Aufgrund vorhandener und angedrohter Zölle gab es auch bei Halbleitern bzw. Mikrochips so manche Hamsterkäufe (An alle Klopapier-Knauser: So hamstert man!). Neben den Zöllen und den Hamster-Käufen verstärkt sich der Halbleiter-Mangel dadurch, dass sie in immer mehr Geräten benötigt werden. Unser Leben findet vermehrt mit internetgestützten Geräten statt, egal ob beim Arbeiten oder in der Freizeit. Halbleiter werden aus Silizium hergestellt, dessen Gewinnung und erste Verarbeitung häufig in China und Taiwan stattfindet. In China gab es Dürrephasen und Überschwemmungen, die den Produktionsprozess behinderten. Eine Erhöhung der Halbleiterproduktion ist also nicht so einfach wie gedacht.

Die Anbieterzentrierung im Halbleitermarkt tut ihr Übriges:

Eine Handvoll Unternehmen wie z. B. Intel oder Samsung bestimmt den Markt. Die Blockade am Suezkanal war für den Transport der Halbleiter ebenfalls nicht sehr zweckdienlich.

Wann sich der Halbleitermarkt beruhigen wird, ist derzeit noch ungewiss. Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert, dass der Halbleitermangel über 2022 hinausgehen kann.

Bei all diesen Entwicklungen zeigt sich also eine Sache wieder mal sehr deutlich:

Eine unerschöpfliche Globalisierung birgt viele Vorteile. Vergessen sollte man dabei allerdings nie, dass auch zu ihr eine gewisse Kehrseite gehört.

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