Beruf Altenpflegerin – hart, aber herzlich! Ein Interview mit Aline Theobald

Ihr spielt mit dem Gedanken eine Ausbildung als Altenpfleger/in anzufangen? Dann könnten euch die Erfahrungen der 27-jährigen Altenpflegerin Aline Theobald aus Freisen weiterhelfen. Aline berichtet über ihre persönlichen Berufserfahrungen und die verschiedenen Facetten dieses harten Jobs.

 

wndn.de: Wie ist es dazu gekommen, dass du Altenpflegerin geworden bist?

Aline Theobald: „Ich war schon immer ein sehr hilfsbereiter Mensch. Durch die intensive und jahrelange Unterstützung eines hilfebedürftigen Menschen innerhalb meiner Familie, entwickelte sich mein Wunsch ältere Menschen auch beruflich zu unterstützen. Ich bin glücklich, wenn ich pflegebedürftigen Menschen eine Stütze sein kann. Zuerst habe ich ein einjähriges Praktikum absolviert und anschließend meine dreijährige Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin erfolgreich abgelegt. Mittlerweile arbeite ich seit zehn Jahren in meinem Beruf.“

Welchen Anforderungen musst du als examinierte Altenpflegerin genügen?

„Man muss auf jeden Fall sehr geduldig sein und lernen seine Emotionen unter Kontrolle zu haben. Man darf nicht laut oder sogar aggressiv werden. Dann ist man in diesem Beruf falsch. Ähnlich wie beispielsweise bei der Arbeit mit Kleinkindern, muss man viele Dinge häufig wiederholen und manche Bewohner immer wieder auf bestimmte Punkte hinweisen. Um seine Vorhaben durchzubekommen, sollte man sich auch durchsetzen können. Weiterhin denke ich, dass Flexibilität ein sehr wichtiger Grundpfeiler in diesem Job ist. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man nicht nur in Schichten, sondern auch an Wochenenden und Feiertagen arbeiten muss. Darüber hinaus finde ich, dass man unbedingt ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen mit sich bringen sollte. Zuhören und auf die Bewohner eingehen, das ist sehr relevant. Zum persönlichen Schutz ist es unumgänglich Beruf und Privatleben zu trennen. Wenn man Stunden nach seiner Schicht zu Hause sitzt und sich immer wieder Gedanken darüber macht, wie sich Bewohner X wohl gerade fühlt oder ob Bewohnerin Y beim morgigen Dienstantritt noch leben wird, wird das zur Dauerbelastung. Natürlich kann man das nicht komplett abstellen, aber man sollte wirklich versuchen sich bestmöglich abgrenzen zu können, sonst wird der Beruf künftig zur Last.“

 

Das klingt nach keiner leichten Aufgabe. Was ist das Schwerste an deinem Beruf?

„Ich finde die Kombination aus Organisation, Zeitdruck und Präzision am Schwersten. Unterstützung bei der Körperhygiene, Verbandswechsel, Ernährungs- und Motivationshilfe, Verabreichung von Medikamenten, usw., man ist Mädchen für alles .An so viele wichtige Dinge  denken zu müssen, das ist nicht einfach. Es dürfte beispielsweise niemals passieren, dass ein Bewohner falsche oder keine Medikamente erhält. Jeder Bewohner wird individuell behandelt und gepflegt. Alles muss schriftlich genauestens dokumentiert werden. Man muss sorgfältig und gewissenhaft arbeiten.

Wenn ein Bewohner stirbt muss man sich sehr schnell umgewöhnen und umdenken. Das kann sehr hart sein. Wenn an einem Abend jemand stirbt, ist es gut möglich, dass am nächsten Morgen schon der nächste Bewohner einzieht. Darüber hinaus ist es nicht gerade angenehm, wenn man beleidigt oder sogar gebissen wird, wobei man hier dazu sagen muss, dass manche Bewohner krankheitsbedingt nichts für ihr Verhalten können. Außerdem muss man sich selbst bei privaten Belastungen und persönlichen Problemen zurückstellen und absolut professionell arbeiten, denn die älteren Menschen sind auf uns angewiesen. Für manche Bewohner sind wir als Pflegepersonal das Einzige, was Ihnen noch bleibt. Ein weiteres Manko ist natürlich der Schichtdienst. Wenn andere feiern gehen, muss ich oft arbeiten oder habe am nächsten Morgen Frühschicht. Alles hat eben seine Vor- und Nachteile.“

 

Wie verkraftest du diese beruflichen Strapazen psychisch?

„Meine Hobbys spielen da eine große Rolle. Ich gehe zwei bis drei Mal wöchentlich reiten und spiele circa zwei Mal in der Woche Handball. Ablenkung wird bei mir groß geschrieben. Die Gespräche mit meiner Mutter, die im gleichen Berufsfeld arbeitet, helfen mir maßgeblich um verschiedene berufliche Geschehnisse besser verkraften zu können. Ohne diesen Rückhalt  würde ich das Ganze wohl weniger gut verkraften.“

 

Werden Arbeitnehmer in deiner Berufsgruppe, deiner Ansicht nach, gerecht entlohnt?

Nein. Die harte Arbeit, die man leistet, sollte, meiner Meinung nach, besser bezahlt werden. Man steht vor allem psychisch immer wieder stark unter Druck, das ist sehr anstrengend und nervenaufreibend. Für das, was wir investieren und leisten ist die Bezahlung nicht gerechtfertigt, finde ich.“

 

Was rätst du jungen Menschen, die Altenpfleger/in werden wollen?

„Diesen Schritt sollte man sich gründlich überlegen. Ich würde empfehlen, da den gleichen Weg, wie ich, zu gehen und mit einem einjährigen Praktikum in diesem Bereich zu beginnen. Dadurch gewinnt man viele Einblicke in die Arbeitsweise und kann die Herausforderungen dieses Berufes viel besser einschätzen und kennen lernen.“

 

Was magst du an deinem Beruf am Meisten?

Ich liebe es alten Menschen ein Zu Hause zu schaffen. Dafür zu sorgen, dass es Ihnen so gut wie möglich geht und sie sich wohl fühlen. Ich kümmere mich sehr gerne um die Bewohner und versuche ihnen ihren letzten Aufenthalt auf Erden so angenehm und schön wie möglich zu gestalten. Die Dankbarkeit und Herzlichkeit, die man erfährt, ist unbeschreiblich schön und wohltuend. Das Gefühl Menschen bestmöglich geholfen zu haben, möchte ich nicht mehr missen. Das stärkt mich und bereitet mir Freude. Ich bin in meinem Beruf mit vollem Herzen dabei, sonst könnte ich diesen Job nicht machen.“

 

Altenpfleger/in werden? Eine Überlegung, die gut durchdacht und hinterfragt werden sollte. Am Beispiel von Aline Theobald lässt sich ableiten, dass man in diesem Beruf Empathie, Stärke und eine stabile Psyche mit sich bringen sollte.

Den Menschen, die tagtäglich diesen Job machen, gebührt Respekt und Anerkennung.

 

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