Abtei Tholey: Konvent feiert Wiedereröffnung mit Pontifikalamt

Mehr als zwei Jahre war die Tholeyer Abteikirche wegen umfassender Renovierungsarbeiten geschlossen. Insbesondere Beleuchtung, Orgel und Fenster der Abteikirche waren erneuert worden. Mit einem Pontifikalamt haben die Mönche der Abtei Tholey am Sonntagmorgen die Wiedereröffnung der Abteikirche St. Mauritius gefeiert. Die Kirche ist nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Mit einem von Abt Mauritius Choriol OSB zelebrierten Pontifikalamt – einer besonders feierlichen Messe – hat die Abtei Tholey am Sonntag die Wiedereröffnung ihrer Kirche gefeiert. Musikalisch wurde die Messe von Bernhard Leonardy (Orgel), Marie Slomka (Sopran, Saarländisches Staatstheater), Mitgliedern des Vokalensemble 83 Saarbrücken und einem Orchester aus Mitgliedern des Saarländischen Staatsorchesters begleitet.

Am Anfang der Messe zog der Konvent unter den Klängen von Charpentiers Präludium aus dem „Te Deum“ (Eurovisionshymne) feierlich von hinten in die Kirche ein. Außerdem wurden u. a. eine Orgelsolomesse von Joseph Haydn (Hob. XXII:7), „Vater Unser“ von Arvo Pärt und das „Hallelujah“ (Messiah) von Georg Friedrich Händel aufgeführt.

Ansprache: „Die ganze Welt interessiert sich für unsere kleine Abtei“

Abt Mauritius Choriol ging in seiner Begrüßung auf einige der zahlreichen Renovierungsarbeiten der letzten zweieinhalb Jahre ein. So seien der Glockenstuhl erneuert und 3.500 beschädigte Steine an der Außenwand ersetzt worden. Im Inneren der frühgotischen Klosterkirche habe man die über die Jahre verrußten und verschmutzten Steine gereinigt. Zudem habe man eine neue Elektrik und Beleuchtung installiert. Daher erstrahlt der früher eher dunkle Innenraum der Kirche nun in neuem Glanz. Auch auf weitere Details, wie den neuen Tabernakel in der Sakramentskapelle und den neuen Ambo, ging der Abt ein.

Neben der neuen Orgel hob Abt Mauritius die neuen Fenster der Abteikirche hervor. 23 der 29 von Mahbuba Maqsoodi gestalteten Fenster wurden bereits eingebaut. Die restlichen sechs Fenster sollen bis Ostern 2021 im südlichen Nebenschiff installiert werden. Schöpfer der neuen Chorfenster ist der weltberühmte Kölner Künstler Gerhard Richter. Anders als der 88-jährige Künstler wollte der Abt darin nicht nur einen „schönen Zufall“ sehen: „Für uns ist das eine Fügung Gottes.“ „Ich will nicht übertreiben, aber die ganze Welt interessiert sich für unsere kleine Abtei“, sagte der Abt mit Blick auf die nationale und internationale Medienberichterstattung.

Predigt: „Solidarisch fühlen mit Menschen, die Gott suchen“

Die Messe konnte man auch per Livestream verfolgen (Screenshot)

Abt Mauritius warb in seiner Predigt für einen offenen und toleranten Umgang mit Menschen anderen Glaubens. Sowohl Christen aller Konfessionen als auch Christen und Muslime glaubten an denselben Gott: „Gott ist konfessionslos.“ Dass mit Mahbuba Maqsoodi eine aus Afghanistan stammende Muslimin den Großteil der neuen Kirchenfenster gestaltete, soll daher auch als ein verbindendes, interreligiöses Zeichen zu verstehen sein. Weiter sagte Abt Mauritius, dass man sich mit Menschen, die – wie auch Gerhard Richter – Gott suchten, solidarisch fühlen solle. Und wer nach seinem Gewissen lebe, sei auf dem Weg zu Gott. Auch nach dem jüdischen Glauben sei nicht der richtige Glaube, die Orthodoxie, sondern das rechte Tun, die Orthopraxie, das Entscheidende: „Gott will Liebe“.

Aufgrund der Corona-Pandemie waren nur 70 Gottesdienstbesucher zugelassen. Ein Umstand, den Abt Mauritius bedauert: „Ein volleres Gotteshaus wäre schön gewesen, aber Corona verbietet es uns.“

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