Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Missionshauses St. Wendel

125 Jahre Missionshaus St. Wendel – ein Wahrzeichen sucht eine neue Bestimmung

Das Missionshaus (Quelle: Wikipedia)
Das Missionshaus (Quelle: Wikipedia)

Das Missionshaus St. Wendel als eines der ältesten Niederlassungen der Ordensgemeinschaft der Steyler Missionare wurde unter dem Ordensgründer Arnold Janssen erbaut und 1898 eröffnet. Es war das erste Missionshaus, das in Deutschland gegründet wurde und gehört somit nicht nur zu den ältesten, sondern auch zu den größten Häusern der Steyler Missionare. Von hier aus wurden ca. 700 Missionare in die Welt geschickt, um das Wort Gottes in fremden Ländern zu verkünden.

Anlässlich des 125-jährigen Bestehens fand am Sonntag, 26.11.23, um 10:30 Uhr, ein Festgottesdienst in der Kirche des Missionshauses statt mit anschließendem Umtrunk und Festmahl. Zu den geladenen Gästen gehörten u. a. Landrat Udo Recktenwald, Bürgermeister Peter Klär, die Vorstandsmitglieder der Kreissparkasse St. Wendel Dirk Hoffmann und Marc Klein, Michael Massing, einer der beiden Geschäftsführer der S-Immobilien- und Finanzberatungsgesellschaft mbH sowie Michael Schultheis aus St. Wendel als Projektinitiator.

Foto: Karin Schüssler

 

Eine bewegende Predigt über das Leben und Wirken des heiliggesprochenen Arnold Janssen sowie die Geschichte des Missionshauses hielt der Bischofsvikar für die Orden im Bistum Trier, der Prälat Dr. Georg Holkenbrink. Arnold Janssen war erfüllt von Christi Auftrag an seine Jünger, in die ganze Welt zu ziehen, um das Evangelium zu verkünden. Dabei wechselte Holkenbrinks Blick von der Vergangenheit zur Gegenwart mit Ausblick in die Zukunft aufgrund der aktuellen Situation des Missionshauses, aller Orden Deutschlands und der christlichen Kirche im Allgemeinen.

Das Missionshaus St. Wendel – wie alles begann

Die junge Steyler Ordensgemeinschaft kaufte 1898 den Langenfelder Hof in St. Wendel zur Gründung des ersten deutschen Missionshauses. Ein Jahr später erfolgte die Grundsteinlegung. Es entstand mit den Jahren eine bedeutende Ausbildungsstätte der Steyler Missionare sowie auch ein Gymnasium ursprünglich nur für Jungen, ab 1984 auch für Mädchen. In den Werkstätten, der Landwirtschaft und der Gärtnerei des Missionshauses wurden über 100 Brüder fachlich und spirituell ausgebildet. Über 500 Schüler des Arnold-Janssen-Gymnasiums ergriffen den Priesterberuf. Im Sommer dieses Jahres erhielten die letzten Schüler des Arnold-Janssen-Gymnasiums ein Abiturzeugnis, auch wenn sie bereits drei Jahre lang an anderen Gymnasien unterrichtet worden waren.

Was vor 125 Jahren gegründet wurde, um junge Menschen für ein Leben als Missionar zu motivieren, hat in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren, so Holkenbrink. Die Zahl der Ordensleute schrumpft und mittlerweile werden viele Ämter international besetzt von Missionaren und Priestern aus den Missionsländern, in die früher deutsche Missionare geschickt worden waren. Das Seniorenhaus „Wendelinusheim“ für derzeit noch 64 Missionare ist das Altersheim für Missionare, die in 20 Ländern gewirkt hatten. Der in den Jahren immer wieder erweiterte Gebäudekomplex ist mittlerweile zu groß und kostenintensiv geworden für die bestehenden Aufgaben, die noch verblieben sind.

„Alles hat seine Stunde – für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit“ (AT) – Zitat Holkenbrink

Im 19. Jhd. entstanden viele neue Ordensgemeinschaften, die meisten im caritativen Bereich. Über lange Zeit war das Bild der Missionstätigkeit dieser Ordensgemeinschaft geprägt gewesen von dem Gefühl, dass Mission von Deutschland ausgeht und von hier aus Priester zum Missionieren in fremde Länder geschickt werden. So ist es nicht mehr, verdeutlicht Prälat Holkenbrink.

Zitat Prälat Holkenbrink: „Lange Zeit gehörten fast jede Frau und jeder Mann in unserem Land einer der beiden großen christlichen Kirchen Deutschlands an. Diese Zeit ist vorbei!“ Er spricht darüber, wie Kirche feststellen muss, dass der Glaube mehr und mehr etwas Äußerliches geworden und dass das Fundament verlorengegangen ist. Holkenbrink äußert, dass die Veränderungen in der Kirche und auch die der Kirchenmitglieder in den letzten Jahren nicht ernst genug genommen wurden.

Ist Deutschland ein Missionsland geworden?

Nur noch 48 % der Deutschen gehören einer der großen christlichen Kirche an. Die Steyler Missionare sind in ihrer Tätigkeit in Deutschland immer mehr auf Missionare aus den ehemaligen Missionsländern angewiesen. Bereits vor 23 Jahren hatten Bischöfe in unserem Land darauf hingewiesen, dass es notwendig sei, in unserem Land missionarisch tätig zu werden.

Wie soll nun auf die Gegenwart und die Zukunft geschaut werden? Dankbar zurückschauen auf 125 Jahre wertvolles Wirken des Missionshauses und dessen Gründer Arnold Janssen. „Jetzt ist die Zeit! Jetzt ist die Stunde! Heute wird getan, was getan werden muss, wenn ER kommt!“, so Prälat Holkenbrink.

Appell und Zitat von Prälat Holkenbrink: “Wir sollten uns daran erinnern, dass wir alle berufen sind in unserer Zeit an dem Platz, an dem wir stehen, missionarisch zu sein, d. h. unter den Menschen, mit denen wir leben, durch Worte und Taten die gute Nachricht des Evangeliums zu verkünden und vorzuleben“. Er erinnert an die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit und bittet darum, diese in das eigene Leben zu integrieren. Trost spenden, Menschen auf den richtigen Weg hinweisen, Hoffnung schenken. „Denn wir alle müssen uns nach unserem Tod verantworten für das, was wir getan und nicht getan haben.“

Wie geht es weiter mit dem Missionshaus?

Pater Václav Mucha SVD, Rektor des Hauses St. Wendel hielt nach dem Festmahl die Festrede. Er sprach von einer Zeitenwende. „Stille in den Schulklassen, Leere in dem Internat. Ist die Zeit stehen geblieben? Auf dem Gelände laufen nur noch streunende Katzen und Spaziergänger genießen die Natur.“

Er zitierte Arnold Janssen bei der Gründung der Steyler Missionare im niederländischen Steyl: „Wir leben in einer Zeit, wo vieles zugrunde geht, aber gerade deshalb muss anderes neu entstehen.“ Der auch schmerzhafte Prozess, sich von dem St. Wendeler Missionshaus als Schule, Ausbildungsstätte, Wiege hunderter international wirkender Missionare verabschieden zu müssen, wird abgelöst von Dankbarkeit für eine wertvolle Ära und der Hoffnung, dass die Räumlichkeiten des Missionshauses mit neuem Leben und neuen Inhalten gefüllt werden. Auch trägt die Hoffnung, dass der in dem Kaufoptionsvertrag der durch die zwischen dem Architekten und Investoren Gerlando Giarrizzo und der Kreissparkasse St. Wendel gegründeten SG Strukturholding GmbH anvisierte Kauf des Missionshauses Realität wird.

Br. Franz Schneider stellte im Anschluss das zum Jubiläumsjahr erschienene Buch: 125 Jahre Missionshaus St. Wendel vor (1898 – 2023).

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